14 Dezember 2018

Berufsbetreuer sollten Bestellung mit Rechtsmitteln durchsetzen

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Die Bestellung eines Dauerersatzbetreuers ist zulässig und geboten, wenn dadurch jeweils erneut in Gang zu setzende aufwändige Bestellungsverfahren für einzelne Verhinderungsfälle vermieden werden können. Mit dieser Begründung wies das Landgericht Wuppertal mit Beschluss vom 14. Juni 2012 (6 T 276/12) das Betreuungsgericht an, seine Bedenken hinsichtlich der Bestellung eines Dauerersatzbetreuers zurückzustellen.

BGH: Unterbringung zur Behandlung zulässig, solange entgegenstehender Wille noch nicht kundgetan

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Die Genehmigung einer Unterbringung zur Heilbehandlung nach § 1906 Abs. 1 Nr. 2 BGB kommt noch in den Fällen in Betracht, in denen nicht von vornherein ausgeschlossen ist, dass sich der Betroffene in der Unterbringung behandeln lassen wird, sein natürlicher Wille also nicht bereits der medizinisch notwendigen Behandlung entgegensteht und er die Notwendigkeit der Unterbringung nicht einsieht. Mit diesem Beschluss vom  8. August 2012 XII ZB 671/11 hat der Bundesgerichtshof einen kleinen Ausweg aus seinem Verbot einer Unterbringung zur Zwangsbehandlung vom 20. Juni (XII ZB 99/12) eröffnet. Die Betreuungsgerichte hätten die Möglichkeit, eine  Unterbringung zu genehmigen, solange sich eine Weigerung des Betroffenen, sich behandeln zu lassen, nicht bereits manifestiert habe.

Keine Doppelbetreibung eines Verfahrens in neuer Instanz

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Betreute können ohne Mitwirkung des Betreuers ein Rechtsmittel gegen eine gerichtliche Entscheidung einlegen, wenn die Instanz gerichtskostenfrei ist. Das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen  hat eine von einem Betreuten eingelegte Berufung zugelassen, nachdem die erste Instanz in der SGB-II-Angelegenheit vom Betreuer betrieben wurde (Beschluss vom 20.6.2012, L 12 AS 1880/11). In einer neuen Instanz gelte nicht das Verbot der Doppelbetreibung eines öffentlich-rechtlichen Verfahrens durch Betreuer und Betreuten.

Obwohl im entschiedenen Fall ein Einwilligungsvorbehalt in Vermögenssachen bestellt war, war die Einlegung des Rechtsmittels als Rechtsgeschäft für den Betroffenen lediglich rechtlich vorteilhaft, weil im Sozialgerichtsverfahren keine Gerichtskosten anfallen.

Betreute können bei einem Einwilligungsvorbehalt in Vermögenssorge unabhängig vom Betreuer klagen oder Rechtsmittel einlegen, wenn das Gerichtsverfahren nach der Prozessordnung kostenfrei ist. Das gilt jedenfalls in Sozialgerichtsverfahren, nicht in Zivilprozessen.

AG Lübeck: Unbetreubarkeit auch bei wahnhafter Ablehnung der Betreuung

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Eine Betreuung ist auch dann gemäß § 1908d Abs. 1 Satz 1 BGB aufzuheben, wenn sie sich wegen ihrer krankheitsbedingten, konsequenten Ablehnung durch den Betroffenen und der dadurch eingeschränkten Wirkungsmöglichkeiten für den Betreuer als übermäßige Belastung für den Betroffenen darstellt. Das Betreuungsgericht Lübeck hat am 16.04.2012 eine Betreuung aufgehoben, deren Ablehnung nicht von einem freien Willen im Sinn des § 1896 Abs. 1 a BGB getragen war (4 XVII H 13700). 

Keine Betreuerpflicht zur Begleitung zum Gerichtsgutachter

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Berufsbetreuer, deren persönliches Erscheinen zu einer Gerichtsverhandlung angeordnet wurde, können nur Fahrtkostenerstattung und ein Tagegeld in Höhe von 6,- € verlangen, keinen Verdienstausfall und keine Entschädigung für Zeitversäumnis. Da Berufsbetreuer nicht verpflichtet sind, die Betroffenen zu einem Gutachtertermin zu begleiten, erhalten sie dafür keinerlei Entschädigung nach dem Justizvergütungs- und – entschädigungsgesetz (JVEG). Dies ist der Inhalt zweier Kostenbeschlüsse des 15. Senats des Bayerischen Landessozialgerichts vom 16. und 17. Juli 2012 (L 15 SF 42/11 und 29/12).

BGH: Betroffener kann auf gerichtliche Prüfung nicht verzichten

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Das Selbstbestimmungsrecht des Betroffenen wird nicht dadurch verletzt, dass die Einwilligung eines von ihm Bevollmächtigten in eine freiheitsentziehende Maßnahme der gerichtlichen Genehmigung bedarf. Dies stellte der Bundesgerichtshof in einem Beschluss vom 27. Juni 2012 klar (XII ZB 24/12).

Bundesgerichtshof schließt sich Verfassungsrechtsprechung für Behandlung im Maßregelvollzug an

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Unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur Zwangsbehandlung im Maßregelvollzug (BVerfG v. 12.10.2011 - 2 BvR 633/11) fehlt es gegenwärtig an einer den verfassungsrechtlichen Anforderungen genügenden gesetzlichen Grundlage für eine betreuungsrechtliche Zwangsbehandlung. Deshalb darf der Betreuer derzeit auch im Rahmen einer geschlossenen Unterbringung keine Zwangsbehandlung veranlassen.