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28 Januar 2021

FrauEffFrau Eff… und die Rückrufe

Frau Eff ist ja nach wie vor der Ansicht, dass sie gut zu erreichen ist, auch wenn sie weder eine Servicekraft am Bürotelefon sitzen hat noch ein Mobiltelefon nutzt. Es hat sich auch noch niemand von den Klienten beschwert, außer denen, die regelmäßig die Zeit vergessen und um 23 Uhr auf meinen Anrufbeantworter sprechen, dass ihnen aufgefallen ist, dass die Waschmaschine so seltsame Klopfgeräusche macht.

In umgekehrter Richtung muss ich leider feststellen, dass es zunehmend Schwierigkeiten gibt, diejenigen zu erreichen, deren Aufgabe es ist, Kundenfreundlichkeit aktiv umzusetzen. Hier mal eine lockere Auflistung der fehlgeschlagenen Kontaktversuche der letzten Tage:

Für die von mir gewünschte Filiale der Sparkasse findet sich im Internet zwar eine Durchwahl, ich lande aber trotzdem im Callcenter der Bank in der Nachbarstadt. Dort muss ich umständlich mein Anliegen schildern, um dann zu erfahren, dass dies nur die kontoführende Filiale bearbeiten kann, in die man mich gerne verbinden wird. Grußlose Weiterschaltung und ohrenbetäubender Tote-Hosen-Lärm in der Warteschleife folgen, und nach gefühlten sieben Minuten die flötende Stimme der gleichen Mitarbeiterin wie vorher: „Die Kollegen in der Filiale sind alle im Gespräch. Darf ich mir Ihre Nummer notieren, wir rufen Sie dann zurück“.

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die große Enttäuschung

Die ganze Geschichte erzähle ich Ihnen gleich. Vorab ein kleines Bild, wie ich mich derzeit fühle. Kennen Sie den Film „The Hurt Locker“ von Kathryn Bigelow? Er handelt von einem Team US-Soldaten, die 2004 im Irak Bomben entschärfen. In einer Szene entdecken Soldaten ein Zündkabel, das in den staubigen Boden führt. Als sie vorsichtig daran ziehen, kommt eine dicke Bombe zum Vorschein. Routiniert macht sich einer der Fachmänner ans Werk und legt das gefährliche Teil frei. Um es entschärfen zu können, muss er es etwas anheben. Als er das tut, zeichnen sich unter dem Sand und Staub plötzlich ein Dutzend weiterer Zündschnüre ab, die sternförmig von der ersten Bombe aus zu weiteren Sprengkörpern führen. Genau so sieht meine Arbeit zurzeit auch aus. Und ich bin auch schon explodiert. Das kam so:

Der leicht geistig behinderte Herr P. musste wieder ins Gefängnis, weil er andauernd ohne Führerschein Motorroller gefahren ist, Metall geklaut und zahlreiche Ladendiebstähle begangen hat. Ein Gutachter hat seine Deliktfähigkeit geprüft und ihm bescheinigt, dass er für seine Straftaten verantwortlich gemacht werden kann. Die JVA war nicht glücklich über den schmächtigen, ziemlich wehrlosen Häftling mit dem Sprachfehler. Er war das perfekte Opfer und ist dementsprechend von den Mitgefangenen behandelt worden. Ich habe von außen getan, was ich konnte, um ihn zu schützen und den Kontakt zu halten.

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… schreibt an ein Kind

Lieber Justin,
ich bin jemand, der mit kleinen Kindern nicht viel anfangen kann. Mit Säuglingen schon gar nicht. Und doch reißt es mir am Herzen, wenn ich Dich so da liegen sehe. 840 Gramm, kaum schwerer als acht Tafeln Schokolade, überall Schläuche und Pflaster und Kabel zu großen Maschinen. Ich wusste auch gar nicht, dass es so kleine Windeln gibt. Vor fünf Tagen bist Du auf die Welt gekommen, ziemlich plötzlich. Der Chefarzt der Kinderklinik sagt, Du hast eine Chance zu überleben. In welchem Zustand, mit welchen Behinderungen und Einschränkungen, ist derzeit noch nicht absehbar.

Ich bin die Betreuerin Deiner Mutter. Sie steht mit verzweifeltem Gesichtsausdruck vor dem Kasten, in dem Du liegst. Anfassen will sie Dich nicht. Du bist nicht das, was sie sich so vorgestellt hatte. Sie wollte kein zerbrechliches Problem, sie wollte ein lachendes Kind. Jemand, der in die süßen Kindersachen passt, die sie gekauft hat. Deine Mutter wollte „ein gesunder, kräftiger Junge!“ sagen können, wenn sie jemand nach ihrem Sohn fragt. Im Moment erkennt sie keinen Sohn in Dir. Du bist ihr unheimlich. Sie hat Dir schon vor vielen Wochen einen Namen gegeben, „Dschasstin“ sagt sie, weil sie Justin Biber so toll findet. Aber sie kann den Namen nicht aussprechen, als sie ihn von der Geburtsurkunde ablesen will. „Der soll nicht so komisch geschrieben werden“ sagt sie. „Ja, wie denn?“ fragt die Standesbeamte sie.

Bild Frau EffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Arbeitswelten

Beginnen wir heute mal mit einer Suchmeldung: Kennen Sie einen Arzt, Fachrichtung Psychiatrie, der eine Stelle sucht? Wenn er in der Klinik in meiner Nachbarstadt einen Arbeitsvertrag unterschreibt, bekomme ich eine Kopfprämie von 2.000 Euro, die ich mit Ihnen teilen würde (20 % - 80 % für mich). Der Arzt bekommt für die Anfangszeit eine Unterkunft gestellt, er wird mit offenen Armen empfangen und muss auch nur rudimentär Deutsch sprechen (kostenfreier Sprachkurs ist Teil des Deals). Nach Feierabend kann er sich dann mit seinen Kollegen aus dem französischsprachigen Afrika, aus Georgien und aus Belgien darüber austauschen, wie schlecht die Ausstattung der Klinik ist (EKG kaputt, kein Labor am Wochenende) und wie sinnlos alle diese Entlassungsberichte sind, die aber zum Glück nicht von ihnen, sondern von den deutschkundigen alten Arzt-Hasen geschrieben werden müssen.

Ähnlich muss die Situation in Altenpflegeheimen sein. Dort höre ich bei den Besuchen meiner Klienten, dass die Umgangssprache auf einigen Stationen Russisch, Polnisch oder Rumänisch ist. Das sagt natürlich nichts über die Qualität der Pflege aus, aber über den Zustand von Arbeitswelten. Auch Pflegedienste und Anbieter von ambulant betreutem Wohnen suchen bei uns fast jedes Wochenende mit Anzeigen in der Zeitung neue Mitarbeiter. Nicht zuletzt führt dies

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin... und die Flüchtlinge

Ich möchte in Zukunft keine weiteren rechtlichen Betreuungen für Asylbewerber oder an Leib und Seele verletzte Menschen aus anderen Ländern übernehmen. Ich bin mit dieser Arbeit persönlich überfordert, zeitmäßig und emotional. Wenn das nächste Mal das Telefon klingelt und die Betreuungsstelle händeringend jemanden sucht, der oder die Englisch spricht, werde ich ablehne. Nicht aus Fremdenfeindlichkeit, sondern aus Selbstschutz.

Schon als 15-jährige habe ich mich bei Amnesty International engagiert, habe am Bahnhof gestrandete Flüchtlinge entgegen genommen und ihnen den Weg gewiesen, habe mit Tamilen und Kongolesen gefeiert und ihr Unverständnis angesichts des Kölner Karnevals geteilt. Eine solche enge Bindung an meine Klienten ist mir im Rahmen der rechtlichen Betreuung nicht möglich.

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin... und das Urlaubsbudget

Im Urlaub, in fremden Ländern bei Sonnenschein und viel frischer Luft, kann man sich prima erholen und sein Leben ein bisschen entschleunigen. Wenn man, wie Frau Eff, eine Sozialisation hinter sich hat, die zur Sparsamkeit mahnt, kann man im Urlaub sogar etwas für die Arbeit lernen. Verreisen in Nicht-Euro-Länder als Fortbildung sozusagen.
Bei mir war es dieses Jahr so: Wie so oft schon bin ich ins schöne England gefahren, wo man ja noch mit dem Britischen Pfund bezahlt und durchweg etwas höhere Preise herrschen als in Deutschland. Am Geldscheinautomaten hatte ich 200 Pfund abgehoben, das entspricht knapp 230 Euro. Das sollte erst einmal für Einkäufe und die täglichen Ausgaben reichen, dachte ich.
An der Kasse im Supermarkt waren dann direkt schon 89 Pfund weg, dabei hatte ich wirklich nur das aller, aller Notwendigste für das Leben in der Ferienwohnung gekauft.

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Schulden

Bei der Übernahme von neuen Betreuungsfällen ist die Frage nach Schulden ein fester Punkt auf der Checkliste. Das Vermögensverzeichnis muss wahrheitsgemäß ausgefüllt werden und nicht selten ist auch die drohende Überschuldung Anlass für die Betreuerbestellung. Also beim Erstgespräch beherzt das Thema angesprochen.

Frau Eff: So Herr T., Rente, Vermieter, Krankenversicherung und ihre Ärzte habe ich notiert, kommen wir mal zum Thema Geld. Wo haben Sie denn ihr Konto?
Herr T.: Beia Volksbank. Mussich aba immer sofort abräumen, weil sonst is dat weg.
Frau Eff: Haben Sie Schulden?
Herr T.: Nee, Schulden hab ich nich. Hab ich noch nie gehabt. Ich bin anders erzogen worden.
Ah, ja… Wieso müssen Sie denn dann das Konto leerräumen?
Herr T.: Keine Ahnung, hat vielleicht wat mit der Stadt zu tun. Müssen Sie mal die Briefe hier gucken.