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21 August 2019

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die GEZ

Ja, ich weiß, die GEZ heißt jetzt „Beitragsservice“ und aus den Rundfunk- und Fernsehgebühren ist der Rundfunkbeitrag geworden. Um uns Beitragszahler nicht unnötig zu verwirren, hat man beim Internetauftritt und in allen Formularen auf Farben verzichtet – „Einfach für alle“ steht oben drüber. Leider muss Frau Eff feststellen, dass es die gleiche Gurkentruppe geblieben ist, und dass sich nichts, aber auch gar nichts vereinfach hat.

Einfach gestrickt wie ich bin, hatte ich ja gehofft, man würde die Neuorganisation einer gigantischen Behörde dazu nutzen, sinnlose, kostenverursachende Mehrarbeit abzuschaffen. Zum Beispiel, indem man die nun wohnungsbezogene Gebühr automatisch mit anderen wohnungsbezogenen Gebühren einzieht (Grundsteuer, Müllabfuhr, so etwas in der Art).

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und der Knast

Bei Beginn einer rechtlichen Betreuung muss Frau Eff ein Vermögensverzeichnis anlegen. Bei einigen Betreuungen ist sie dann schon nach wenigen Monaten auch in der Lage, ein Unvermögensverzeichnis zu erstellen. So auch bei Herrn Ö. Er ist wirklich taub und blind, was strafrechtlich relevantes Verhalten angeht. Fast drei Jahres seines jungen Lebens hat er bereits hinter Gittern verbracht. Ein langes psychiatrisches Gutachten bescheinigt ihm zwar eine Intelligenzminderung, aber keine Deliktunfähigkeit. Mit anderen Worten: Herrn Ö.s Straftaten sind so klar und eindeutig, dass auch er begreifen müsste, dass er das nicht darf und bestraft wird, wenn er es doch tut. Mit einem Motorroller 70 km/h fahren ohne Führerschein zum Beispiel. Herr Ö. ist diesbezüglich in der Region bekannt wie ein bunter Hund. Selbst wenn er einen Helm trägt (was er auch nicht immer tut), erkennt ihn die Polizei an der seltsamen Körperhaltung, mit der er auf seinen zusammengefrickelten Knattermaschinen durch die Stadt fährt. Oft schneller, als es auch mit Führerschein erlaubt wäre.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und Klienten als Fachberater

Frau S. ist so etwas wie die superdurchschnittliche Klientin, die einem rechtlichen Betreuer auf den Schreibtisch kommen kann: Leichte Lernbehinderung, mittelschwere psychotische Episoden, medikamentös gut eingestellt, kooperativ, freundlich - im Grunde genommen die ideale Betreute. Die Zusammenarbeit mit ihr ist gut und seit Jahren business as usual. Und doch gibt es auch in solchen Fällen interessante Überraschungen.

Frau S. hatte vor einem halben Jahr ein merkwürdig insistives Interesse an einem Internetanschluss. Da sie ausreichend  Geld hat, habe ich ihr einen Anschluss legen lassen. Einen gebrauchten Rechner und wohl auch eine erfolgreiche Einführung in das weltweite Netz hat ihr eine Freundin geschenkt. Als ich vor ein paar Wochen zu ihr komme, sitzt sie grinsend vor dem PC und strahlt mich an. Geheimnisse kann sie nicht lange für sich gehalten.

„Was ist los, Frau S.?“ frage ich sie.
*grins*
„Los, raus damit!“ fordere ich sie lachend auf.
„Ich bin jetzt Internetcootsch“ sagte sie stolz.
„Sie sind was?!“

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Unzufriedenheit

Es war wirklich ein hartes Stück Betreuerarbeit und ein langer und steiniger Weg, Frau G. zu ihrer Erwerbsminderungsrente zu verhelfen. Die monatliche Rentenzahlung befreit sie aus den Fängen des Jobcenters und sie hat erheblich mehr Geld zur Verfügung. Grund zur Freude, sollte man meinen. Aber was schlägt mir entgegen, als ich die gute Nachricht überbringe?

fotolia fraueffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und das herausfordernde Verhalten

Schwierige Klienten werden heutzutage nicht mehr einfach „schwierige Klienten“ genannt, oder gar „Nervensägen“, sondern „Menschen mit herausforderndem Verhalten“. Einem so Betitelten kam dieser Begriff kürzlich zu Ohren. Er war außer sich vor Empörung. Jahrelang habe er jetzt schon mit Ärzten und Pflegern und Sozialarbeitern und Vermietern und Betreuern und mit der Polizei und den scheiß Nachbarn zu tun, und alle diese Idioten seinen ihm gegenüber „Menschen mit herausforderndem Verhalten“. Ständig würde man ihn provozieren, in die Ecke argumentieren, vor Alternativen stellen, die gar keine sind und auch körperlich herausfordern. Und jetzt müsse er sich anhören, dass ER derjenige sei, der sich herausfordernd verhalte.

fotolia fraueffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Einzelheinze

Immerhin schaffen wir es, uns viermal pro Jahr zu treffen. Ungefähr die Hälfte aller in meiner Region tätigen professionellen Betreuer und Betreuerinnen finden sich dann zu einem zweistündigen gemeinsamen Arbeitskreis zusammen. Zunehmend muss ich feststellen, dass der gute Wille, etwas Gemeinsames zu machen, beim kollektiven Kaffeetrinken leider schon endet. Wird in der Runde etwas zur Diskussion gestellt, gibt es nur wenige Redebeiträge – davon mindestens einen in einem zynischen, herablassenden Ton.

fotolia fraueffFrau Eff, Berufsbetreuerin… besucht eine Fachtagung

Um ein bisschen über den alltäglichen Tellerrand zu schauen und neue Ideen in den Kopf zu bekommen, hat Frau Eff kürzlich mal wieder an einer Fachtagung teilgenommen. Mehrere hundert Menschen aus psychosozialen Berufen trafen sich unter dicken Kronleuchtern mitten in Deutschland. Die Tagung begann um 13 Uhr mit der Anmeldung, wo zusammen mit der Tagesordnung Bonbons und Lakritz ausgeteilt wurden. Da hätte ich schon stutzig werden sollen.

Nach wortreichen und inhaltsleeren Begrüßungen durch den Tagungsmoderator, den Bürgermeister, den Vorsitzenden des veranstaltenden Vereins und den Regionalvorsitzenden des veranstaltenden Vereins folgte ein Grußwort einer europäischen Dachorganisation, fünfzehn Minuten lang, auf Englisch. Danach war die erste Stunde vergangen und alle kaffeereif. Kaffee gab es aber noch lange nicht, stattdessen hatte man den Beamer mit dem Logo des veranstaltenden Vereins und dem Tagungsmotto auf eine lustige Rotation eingestellt, die alle im Bann hielt.