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fotolia fraueffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und das herausfordernde Verhalten

Schwierige Klienten werden heutzutage nicht mehr einfach „schwierige Klienten“ genannt, oder gar „Nervensägen“, sondern „Menschen mit herausforderndem Verhalten“. Einem so Betitelten kam dieser Begriff kürzlich zu Ohren. Er war außer sich vor Empörung. Jahrelang habe er jetzt schon mit Ärzten und Pflegern und Sozialarbeitern und Vermietern und Betreuern und mit der Polizei und den scheiß Nachbarn zu tun, und alle diese Idioten seinen ihm gegenüber „Menschen mit herausforderndem Verhalten“. Ständig würde man ihn provozieren, in die Ecke argumentieren, vor Alternativen stellen, die gar keine sind und auch körperlich herausfordern. Und jetzt müsse er sich anhören, dass ER derjenige sei, der sich herausfordernd verhalte.

fotolia fraueffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Einzelheinze

Immerhin schaffen wir es, uns viermal pro Jahr zu treffen. Ungefähr die Hälfte aller in meiner Region tätigen professionellen Betreuer und Betreuerinnen finden sich dann zu einem zweistündigen gemeinsamen Arbeitskreis zusammen. Zunehmend muss ich feststellen, dass der gute Wille, etwas Gemeinsames zu machen, beim kollektiven Kaffeetrinken leider schon endet. Wird in der Runde etwas zur Diskussion gestellt, gibt es nur wenige Redebeiträge – davon mindestens einen in einem zynischen, herablassenden Ton.

fotolia fraueffFrau Eff, Berufsbetreuerin… besucht eine Fachtagung

Um ein bisschen über den alltäglichen Tellerrand zu schauen und neue Ideen in den Kopf zu bekommen, hat Frau Eff kürzlich mal wieder an einer Fachtagung teilgenommen. Mehrere hundert Menschen aus psychosozialen Berufen trafen sich unter dicken Kronleuchtern mitten in Deutschland. Die Tagung begann um 13 Uhr mit der Anmeldung, wo zusammen mit der Tagesordnung Bonbons und Lakritz ausgeteilt wurden. Da hätte ich schon stutzig werden sollen.

Nach wortreichen und inhaltsleeren Begrüßungen durch den Tagungsmoderator, den Bürgermeister, den Vorsitzenden des veranstaltenden Vereins und den Regionalvorsitzenden des veranstaltenden Vereins folgte ein Grußwort einer europäischen Dachorganisation, fünfzehn Minuten lang, auf Englisch. Danach war die erste Stunde vergangen und alle kaffeereif. Kaffee gab es aber noch lange nicht, stattdessen hatte man den Beamer mit dem Logo des veranstaltenden Vereins und dem Tagungsmotto auf eine lustige Rotation eingestellt, die alle im Bann hielt.

fotolia fraueffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Werkstatt für Menschen mit Behinderung

Ich sage es besser sofort am Anfang: Frau Eff ist keine große Freundin von Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Grundsätzlich nicht. Natürlich ist es für Viele ein Glück, die Angebote der WfMB nutzen zu können, aber die Autoren der UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen haben glaube ich etwas anderes im Sinn als diese exklusiven Stätten am Stadtrand.
Ich formuliere es mal etwas überspitzt (also nicht gleich aufregen):

fotolia fraueff 8857232 xsFrau Eff… und der Klientenblick

Es ist ein warmer Sommerabend in Brüssel, eine Stadt, die Frau Eff sehr mag. Ganz in der Nähe des königlichen Palastes, zwischen Jugendstilhäusern und Bürogebäuden geht laut schimpfend ein Mann. Seine Sprache ist nicht zu entziffern, seine Wut lange gekocht. Mit großer Empörung hebt er die Faust und ruft mir etwas zu. Während ich weitergehe, überlege ich, wo er wohl schläft, diese Nacht. Man sieht in der Stadt viele Obdachlose, die auf den Gehwegen ihre Zelte aufgeschlagen haben. Manchmal stellen Anwohner ihnen Wasserflaschen, Brot und Hundefutter vor den improvisierten Unterschlupf. Wie ist die psychosoziale Versorgung in Belgien? Gibt es so etwas wie rechtliche Betreuung? Wie sieht es in den Psychiatrien aus? Das geht mir in dem Moment gleich durch den Kopf.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und der Hamsterhimmel

„Frau Eff, ich brauch’ zehn Euro. Kannste auf Sparbuch machen?“ fragt die Betreute Silvia U. grußlos morgens um acht Uhr am Telefon. Im Hintergrund laute Geräusche von Straßenverkehr und Kindern, ich vermute, Frau U. ist im Bus unterwegs in die Werkstatt für Menschen mit Behinderung.
„Guten Morgen Frau U. Zehn Euro sind viel Geld. Wofür brauchen Sie die?“
„Für Sarg, für Boris.“
„Wer ist Boris?“
„Mein Hamster, kennstu doch, der ist gestern Abend ausgestorben, glaub’ ich“.
„Wie, glauben Sie?“
„Der macht nichts mehr und der stinkt voll krass.“

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Toten

Im Aktenlager stapeln sich die archivierten Ordner, im Computer die Dateinamen unter der Rubrik „Abgeschlossene Betreuungen“. Die meisten meiner Betreuungen werden durch den Tod beendet, mal plötzlich, mal in qualvoller Langsamkeit.
Die Nachricht vom Tod eines Klienten habe ich manchmal nur auf dem Anrufbeantworter, von der müden Nachtwache eines Heimes als Pflichtübung hinterlassen. Oft sind es auch Krankenhäuser, die mich informieren, Ärzte, Pfleger. Ab und zu die Polizei.

Inzwischen sind schon 32 Menschen gestorben, die zu irgendeinem Zeitpunkt als Betreute mit ihrem ganzen Rucksack an Geschichten in mein Leben gekommen waren.