16 Oktober 2018

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… träumt von Hilfen aus einer Hand

In der Medizin hat es sich ja längst herumgesprochen, dass man den Menschen nicht als ein Lager von unabhängigen Einzelteilen sehen sollte, sondern als korrespondierendes System, dem man ganzheitlich begegnet. Im sozialen Bereich ist diese Erkenntnis bisher noch nicht bis zu den Leistungsträgern durchgedrungen. Benötigt jemand psychosoziale oder pflegerische Hilfen, muss er oder sie sich auf eine Invasion von Fachleuten und Zuständigkeiten gefasst machen. Ein schönes Beispiel für diesen Irrsinn ist Herr J. Er nennt alle die ausdifferenzierten ambulanten Helfer, die zu ihm kommen, augenzwinkernd „mein Personal“ und kann der Sache mit Humor begegnen. Zum Glück.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… hat Angst, zu verarmen

In den letzten Wochen sind meine einzigen vier alten Damen im Heim verstorben. So ist das Leben, ihr Tod kam nicht überraschend, sie waren alle vier sehr alt und haben dankbar auf ein langes Lebens zurückgeschaut. Ihre Plätze im Pflegeheim waren schnell mit neuen Bewohnern belegt. Nur bei mir fehlen seitdem vier unkomplizierte Betreuungsfälle, die ich im Rahmen der sogenannten Mischkalkulation dringend als Ausgleich für all die chaotischen jungen Klienten mit Doppeldiagnosen brauche.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin … übt einfache Sprache

Gespräch in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Meinen Betreute, die geistig und seelisch behinderte 22-jährige Vicky, ist vor wenigen Wochen erst in die neue Abteilung versetzt worden, alles lief prima, bis sie mal wieder Stress mit ihren Arbeitskollegen bekam. Vicky hat durch den täglichen Fernsehkonsum von Verbotene Liebe & Co. eine jahrelange Fortbildung in intrigantem Verhalten und im Gerüchtestreuen. Sie schafft es mit ihren langen blonden Haaren und

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Erreichbarkeit

Als ich letztens eine Kollegin anrief, um mit ihr über einen Fall zu sprechen, mussten wir unseren Austausch beenden, weil bei ihr ständig das Handy dazwischen bimmelte. Vor einem Jahr hatte sie angefangen, ausgewählten Einrichtungen, Ämtern und Klienten ihre mobile Telefonnummer zu geben, und inzwischen ist der Damm gebrochen. Wer sie nicht im Büro erreicht, versucht es sofort auf dem Handy. Das bedeutet, dass sie kaum noch Ruhe hat, weil häufig zwei Telefone klingen.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin … lobt

Oft ist die Zusammenarbeit mit Krankenhausärzten für uns Betreuer nicht so erfreulich. Da wird verlangt, dass wir Tag und Nacht erreichbar sind, dann sofort und auf der Stelle persönlich auf der Station einfliegen, um einer Magenspiegelung zuzustimmen, und wenn wir dann vor Ort sind, lassen die Herren Doktoren uns gerne stundenlang auf dem Gang warten. Nicht so in diesem Fall. Der Operateur, der mich anrief, kannte die Arbeitsbedingungen von rechtlichen Betreuern, nahm die Aufklärung über den geplanten Eingriff telefonisch vor, schickte die Unterlagen zur Einwilligung per Fax und

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin … hat einen schlechten Tag

Die gehörlose Frau E. muss umziehen. Ihr Mann hat sie verlassen, die Wohnung ist nun laut Jobcenter zu groß. Und Frau E. ist zu klein, jedenfalls um den Umzug alleine zu machen. Also muss ich neben der schwierigen Jonglage des Kündigungs- und Anmietungstermins für die alte und neue Wohnung beim Jobcenter einen Antrag auf Übernahme der Kosten für ein Umzugsunternehmen stellen. Dafür muss ich eine ärztliche Bescheinigung einreichen, dass Frau E. den Umzug alleine nicht schafft und auch keine Freunde hat, die ihr helfen könnten. Der Arzt will die Bescheinigung nicht ausstellen, ohne Frau E. gesehen zu haben.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die verweigerte Hilfe

Der zwanzigjährige Betreute Paul macht Schwierigkeiten – sich, und allen anderen auch. Er bricht die gerade begonnene Lehre ab, zieht sich zurück, ist mundfaul, übellaunig und legt eine deutliche Verweigerungshaltung an den Tag. Ab und zu murmelt er etwas von Angst und Bedrohungen. Seinen Geschwistern gegenüber ist er aggressiv, mit den Eltern will er nicht sprechen. Die Familie bekommt seit einigen Jahren ambulante Unterstützung durch Mitarbeiter des Jugendamtes. Seit der Volljährigkeit bin auch ich als Betreuerin im Boot.