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21 Januar 2021

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin … lobt

Oft ist die Zusammenarbeit mit Krankenhausärzten für uns Betreuer nicht so erfreulich. Da wird verlangt, dass wir Tag und Nacht erreichbar sind, dann sofort und auf der Stelle persönlich auf der Station einfliegen, um einer Magenspiegelung zuzustimmen, und wenn wir dann vor Ort sind, lassen die Herren Doktoren uns gerne stundenlang auf dem Gang warten. Nicht so in diesem Fall. Der Operateur, der mich anrief, kannte die Arbeitsbedingungen von rechtlichen Betreuern, nahm die Aufklärung über den geplanten Eingriff telefonisch vor, schickte die Unterlagen zur Einwilligung per Fax und

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die verweigerte Hilfe

Der zwanzigjährige Betreute Paul macht Schwierigkeiten – sich, und allen anderen auch. Er bricht die gerade begonnene Lehre ab, zieht sich zurück, ist mundfaul, übellaunig und legt eine deutliche Verweigerungshaltung an den Tag. Ab und zu murmelt er etwas von Angst und Bedrohungen. Seinen Geschwistern gegenüber ist er aggressiv, mit den Eltern will er nicht sprechen. Die Familie bekommt seit einigen Jahren ambulante Unterstützung durch Mitarbeiter des Jugendamtes. Seit der Volljährigkeit bin auch ich als Betreuerin im Boot.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Stromnachzahlungen

Das Frühjahr ist die Zeit, in der ich mit böser Vorahnung die Jahresabrechnungen der Energieversorger aus den Umschlägen ziehe. Meist sind es dicke Briefe, die das Wichtigste in fetten 14-Punkt-Lettern aufführen: Die Nachzahlung. Da die Heizkosten meist vom Sozialamt oder Jobcenter übernommen wird, ist der interessanteste Posten die Nachzahlung für Strom. Die muss jeder meiner Betreuten aus

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die rheinischen Lösungen

Drei Probleme an einem Tag und nur zwei Lösungen: Frau H., 88, ist in der vergangenen Nacht gestorben. So, wie sie es sich gewünscht hat, schnell und schmerzlos. In den vier Jahren, in denen ich die kinderlose Frau begleitet habe, gab es zwei Themen: Das Grab ihres Mannes Rudi und ihre eigene Beerdigung. Ihr Taschengeld im Pflegeheim verwendete Frau H. für die Neubepflanzung von Rudis Reihengrab, sowie für Taxifahrten zum Friedhof an seinem Geburtstag und an anderen Feiertagen. Ihre eigene Beerdigung hatte sie schon lange vor dem Umzug in Heim geregelt und bezahlt. Der örtliche Bestatter weiß, welche Blumen, welchen Sarg, welchen Pfarrer sie wünscht und wer eine Traueranzeige per Post erhalten soll. Auf dem Grabstein steht ihr Name bereits rechts neben dem von Rudi, nur das Sterbejahr fehlt noch. Die relativ hohen Kosten, sicher und zweckgebunden auf einem Treuhandkonto festgelegt, musste ich lange Zeit vor dem begierlichen Zugriff des Sozialamtes verteidigen. Mit ein bisschen Druck und paragraphenunterfütterten Argumenten gelang auch das. Nun sollten sich alle die Mühe und Vorsorge auszahlen, endlich mal keine Billigbestattung über das Ordnungsamt.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die modernen Kommunikationswege

Es erstaunt mich immer wieder, was alles möglich ist. Vor ein paar Tagen ist es Frau Eff innerhalb kurzer Zeit gelungen, einen Flug auf einen ausländischen Flughafen zu buchen, der am Tag sicher nicht mehr als fünf internationale Flüge landen sieht. Mit ein paar Klicks war es auch möglich, einen Mietwagen zu reservieren, der direkt in der Ankunftshalle übergeben wird. Dank Verbraucherschutz sind die Internetseiten für solche Aktionen und die online auszufüllenden Formulare dafür übersichtlich und selbsterklärend. Als ich gebucht hatte, bekam ich innerhalb von Sekunden eine schriftliche Bestätigung. Danach habe ich mich wieder den SGB II- und Wohngeldanträgen zugewandt, 16-seitige Fragebogenmonster auf muffigem Recyclingpapier, Vermieterbescheinigungen, Anlagen WEP, EK, VM. Die Welt könnte so einfach sein.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Versorgungslücken

Dem beidseitig beinamputierte Betreuten Herr G. geht es nicht gut, er muss aus seiner Wohnung in die Kurzzeitpflege. Diese befindet sich praktischerweise direkt im Nachbargebäude, so dass der Pflegedienst, der ihn bisher betreut hat, Herrn G. im Rollstuhl dorthin fahren kann. Wenige Stunden nachdem dies geschehen ist, ruft mich das Pflegeheim an und verlangt nachdrücklich, ich solle bitte sofort Bekleidung für Herrn G. bringen. Man erwartet also von mir, dass ich mich ins Auto setze, elf Kilometer quer durch die Stadt fahre und meinen Betreuten mit frischer Unterwäsche versorge. Der Sozialdienst des Heimes, der für diese Heldentat lediglich 50 Meter überwinden müsste, sieht sich dazu nicht in der Lage.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… hätte etwas tun können.

Hubert ist tot. Umgefallen, tot. Maria, seine Freundin ist verzweifelt. Mir könnte das egal sein. Ich hatte nicht den Auftrag, mich um Hubert zu kümmern. Auf meinem Betreuungsbeschluss steht nur Maria, geistig behindert, 45 Jahre alt, drei erwachsene Kinder irgendwo, auch alle geistig behindert, ein weiteres Kind ist unter unklaren Umständen schon vor zwanzig Jahren gestorben.

Hubert lebte bei Maria, als ich sie vor zwei Jahren kennen lernte. Er hat es am Anfang vermieden, zuhause zu sein, wenn ich kam. Dann war er Weihnachten mal da, weil draußen das Wetter zu schlecht war für eine Flucht vor mir. Hubert war ein kleiner, magerer Mann, sanft und still, mit hängenden Schultern und flüsterleiser Stimme, kaum vierzig Jahre alt.