14 Dezember 2018

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und das rechtsradikale Gedankengut

„Frau Eff, warum kriege ich denn keinen neuen Gefrierschrank vom Jobcenter? Die Neger aus Afrika kriegen hier doch auch alles, was die wollen“ motzt mir mein Klient Herr K. entgegen, während er sich eine Zigarette dreht. Immer wieder kommt er mit den krudesten, rassistischen und rechtsradikalen Gedanken, um seine vermeintliche Benachteiligung im deutschen Sozialsystem zu veranschaulichen.

Wenige Stunden später klingelt das Telefon und ich habe die Nachbarin eines Betreuten am Apparat, die mich nach Tipps fragt, wie sie das Sozialamt über ihre Vermögensverhältnisse täuschen kann, damit sie keinen Unterhalt für ihren Sohn zahlen muss.

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Urlaubsvertretungen

Es ist mal wieder Ferienzeit und auch die rechtlichen Betreuer machen Urlaub. Realitätsfern wie Gesetze oft sind, sieht das Betreuungsrecht in seinen zahlreichen Paragraphen gar nicht vor, dass ein Betreuer mal nicht erreichbar ist, weil er sich fern ab vom Schreibtisch erholen muss oder weil er krank ist. Es sei denn, es wurde bei der Bestellung des Betreuers direkt ein Vertretungs- oder Verhinderungsbetreuer mit in die Urkunde aufgenommen. Dies geschieht allerdings bei uns in der Region so gut wie gar nicht, weil die Vergangenheit gezeigt hat, dass die Verwirrung komplett ist, wenn auch dieser Vertretungsbetreuer dann nicht erreichbar ist. Oder wenn niemand vom Vertretungsbetreuer weiß. Oden wenn sich der Hauptbetreuer mit dem Vertretungsbetreuer zerstritten hat, und dann alle Urkunden geändert und wiederum andere Vertreter verpflichtet werden müssen.

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… wird von A nach B nach C geschickt

Bei der Klientin Frau B. gibt es begründete Hoffnung auf eine Wende zum Guten. Die lernbehinderte Dame hatte, geprägt durch das bräsige Tempo ihrer Großfamilie, mit ihren 23 Jahren bisher so gut wie gar nichts in Richtung Arbeit oder Berufsausbildung auf die Reihe bekommen. Ihre Tage waren damit gefüllt, dass sie Geschwistern und deren Schäferhunden Asyl in ihrer mit Katzen und Kaninchen bevölkerten 20 Quadratmeter-Wohnung gewährt und von morgens bis abends bei geschlossenen Gardinen ferngesehen hat. In den kurzen Fernsehpausen hatte sie es geschafft, immer wieder Schulden bei Videotheken, Tierärzten und zwielichtigen Kreditgebern zu machen. Die Vorbildfunktion des neuen Freundes brachte dann den Wendepunkt in Form einer Ausbildung als Köchin. Interessanterweise ist es derzeit genau ihre sehr verlangsamte Grundhaltung, die Frau B. den Job erhält. Die Küchenchefin ist begeistert, dass Frau B. stoisch allen Stress an sich abperlen lässt und mit gleichmütiger Gelassenheit alle Arbeiten Schritt für Schritt erledigt.

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin... und die schwierige Klientin

Frau A. ist wirklich kein einfacher Mensch. Unschätzbaren Alters, eine quirlige, dicke, aufdringliche Person, die jeden anquatscht, unermüdlich Fragen und Forderungen stellt, zeitweise einen süßlichen Charme entwickelt und im gleichen Moment wie eine Dampframme zuschlagen kann. Ihre Diagnose umfasst sowohl eine geistige wie auch eine seelische Behinderung. Ich würde auch noch eine soziale Behinderung hinzufügen, nachdem ich das zweifelhafte Vergnügen hatte, ihre Großfamilie kennenzulernen.

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Ablehnung

Die geistig behinderte Betreute Frau R. hasst mich. Das ist nicht nur eine unwillige Antipathie, da ist richtig Power hinter. Sie kann nicht mit mir in einem Raum sein, sie regt sich furchtbar auf, wenn ich nur anrufe und sie setzt alle Hebel in Bewegung, um mich loszuwerden. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Tochter, ihrer Schwester und etlichen Mitgliedern ihres Akkordeonorchesters. Die sagen ihr alle immer wieder, dass ihre bescheuerte Betreuerin sie bevormundet und bestiehlt. Interessanterweise sind das genau die Vorwürfe, die ich gegen die Verwandten und die Akkordeonspielerinnen erhebe. Alle diese fürsorglichen Menschen sehen die gute Rente von Frau R. auf deren Konto glitzern. Und sie sehen noch eine viel größere Versuchung: Frau R. hat keine negativen Schufa-Einträge. Dies führt dazu, dass die nette Frau R. immer mal wieder hier 50 Euro verleiht, dort ihr Konto für eine Internetbestellung zur Verfügung stellt, Handyverträge für andere abschließt oder sich dazu überreden lässt, Sammelbestellerin für den Otto-Versand zu werden. Etliche Leute, die in der Geschäftswelt keinen Kredit mehr bekommen, bekommen den nun von Frau R. Die wiederum hat keine Ahnung, was da im Einzelnen passiert, weil sie weder lesen, schreiben noch rechnen kann.

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… beim Ausländeramt

Ich sitze mit Frau H. auf der Wartebank im Ausländeramt. Sie ist starr vor Angst, hat sich schon zweimal auf dem Klo übergeben und umklammert ihre Papiere. Viele sind das nicht, und das genau ist das Problem. Sie wird hier in Deutschland geduldet, weil sie so schreckliche Dinge am eigenen Leib erfahren hat, dass man sie aus humanitären Gründen nicht abschiebt. Sie schafft die langen Tage zuhause nur mit vielen Medikamenten, die langen Nächte oft nur in Bewegung, gehend, bis die Nachbarn sich wieder beschweren und sie dann lieber im Bett unter der Decke liegt, das Kissen im Mund. Sie hat keine Papiere, keinen Pass, keine Geburtsurkunde, nichts. Mit der Aufenthaltsgenehmigung des Ausländeramtes darf sie in unserer Stadt sein, sonst nirgendwo.

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und das Glücksroulette

Herr F. hat Glück gehabt. Sein Arzt stellt ihm die Bescheinigung über seine Behinderung kostenfrei aus. Er sagt, das sei doch eine Selbstverständlichkeit, wenn Herrn F. damit eine kontinuierliche ambulante Unterstützung ermöglicht werde. Herr B. hat kein Glück mit seinem Arzt. Der verlangt für das gleiche Attest 78 Euro und ist von Frau Eff nicht zu einer Ratenzahlung zu bewegen. Im Gegenteil, er überschüttet seinen Patienten und die rechtliche Betreuerin auch noch mit seinem Gejammer darüber, dass er bei den Kassenpatienten nichts verdiene, nein, eher noch dazuzahlen müsse. Deshalb schickt er auch seine Helferinnen mit dem tragbaren Kartenlesegerät in die Heime, um dort auf den Stationen jede Versichertenkarte einzulesen, die bei drei nicht in der verschlossenen Schublade ist.