Zur Hauptnavigation springen Zum Inhalt springen Zur Fußnavigation springen
21 Januar 2021

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Einwilligung im Krankenhaus

Alle rechtlichen Betreuer kennen diese Situation: Für den nur leicht seelisch oder geistig behinderten Klienten wurde auch der Aufgabenkreis Gesundheitssorge angeordnet. Grund dafür war, dass der Betreuer berechtigt werden sollte, Auskünfte über die gesundheitliche Situation des Betroffenen zu erhalten, wenn dies zum Beispiel für Anträge bei der Krankenkasse oder der Rentenversicherung notwendig sein sollte. Nicht beabsichtigt war, dass der Betreute damit hinsichtlich jeder ärztlichen Maßnahme oder Behandlung entmündigt wird. Tatsächlich ist aber genau dies die traurige Konsequenz.

Es sollte eigentlich jedem Arzt klar sein, dass ein einwilligungsfähiger Patient selbstständig und alleine einer Behandlung zustimmen kann, wenn er die Bedeutung und die Tragweite der medizinischen Maßnahme im Wesentlichen begreift. In einer solchen Situation einem Patienten mit unklaren Bauchschmerzen ein CT zu verweigern, einer Patientin mit einem gebrochenen Arm die notwendige Operation, einer Patientin mit Hexenschuss die Untersuchung oder einem Patienten mit Zahnschmerzen die Behandlung, nenne ich unterlassene Hilfeleistung.

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… ist kein Sparverein

Herr K. ist einer von meinen jungen Betreuten, bei denen ich mich frage, ob er die Unterstützung durch die rechtliche Betreuung wirklich braucht. Er hat eine nachgewiesene psychische Störung und er hat es auch oft nicht geschafft, dem Jobcenter pünktlich alle Unterlagen zuzuschicken, um regelmäßig von dort Geld zu bekommen. Dadurch ist er dann auffällig geworden, eine Räumungsklage stand ihm ins Haus und die Obdachlosigkeit drohte. Als Rettung kam Frau Eff und nahm die Verwaltung dieses etwas zerfledderten Lebens in die Hand. Herr K. findet das alles super und ruft mich regelmäßig an, z. B. wenn er meint, dass sein Vermieter mal wieder „einen Einlauf“ von mir brauche, weil die Klingel nicht funktioniert.

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und das rechtsradikale Gedankengut

„Frau Eff, warum kriege ich denn keinen neuen Gefrierschrank vom Jobcenter? Die Neger aus Afrika kriegen hier doch auch alles, was die wollen“ motzt mir mein Klient Herr K. entgegen, während er sich eine Zigarette dreht. Immer wieder kommt er mit den krudesten, rassistischen und rechtsradikalen Gedanken, um seine vermeintliche Benachteiligung im deutschen Sozialsystem zu veranschaulichen.

Wenige Stunden später klingelt das Telefon und ich habe die Nachbarin eines Betreuten am Apparat, die mich nach Tipps fragt, wie sie das Sozialamt über ihre Vermögensverhältnisse täuschen kann, damit sie keinen Unterhalt für ihren Sohn zahlen muss.

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Urlaubsvertretungen

Es ist mal wieder Ferienzeit und auch die rechtlichen Betreuer machen Urlaub. Realitätsfern wie Gesetze oft sind, sieht das Betreuungsrecht in seinen zahlreichen Paragraphen gar nicht vor, dass ein Betreuer mal nicht erreichbar ist, weil er sich fern ab vom Schreibtisch erholen muss oder weil er krank ist. Es sei denn, es wurde bei der Bestellung des Betreuers direkt ein Vertretungs- oder Verhinderungsbetreuer mit in die Urkunde aufgenommen. Dies geschieht allerdings bei uns in der Region so gut wie gar nicht, weil die Vergangenheit gezeigt hat, dass die Verwirrung komplett ist, wenn auch dieser Vertretungsbetreuer dann nicht erreichbar ist. Oder wenn niemand vom Vertretungsbetreuer weiß. Oden wenn sich der Hauptbetreuer mit dem Vertretungsbetreuer zerstritten hat, und dann alle Urkunden geändert und wiederum andere Vertreter verpflichtet werden müssen.

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… wird von A nach B nach C geschickt

Bei der Klientin Frau B. gibt es begründete Hoffnung auf eine Wende zum Guten. Die lernbehinderte Dame hatte, geprägt durch das bräsige Tempo ihrer Großfamilie, mit ihren 23 Jahren bisher so gut wie gar nichts in Richtung Arbeit oder Berufsausbildung auf die Reihe bekommen. Ihre Tage waren damit gefüllt, dass sie Geschwistern und deren Schäferhunden Asyl in ihrer mit Katzen und Kaninchen bevölkerten 20 Quadratmeter-Wohnung gewährt und von morgens bis abends bei geschlossenen Gardinen ferngesehen hat. In den kurzen Fernsehpausen hatte sie es geschafft, immer wieder Schulden bei Videotheken, Tierärzten und zwielichtigen Kreditgebern zu machen. Die Vorbildfunktion des neuen Freundes brachte dann den Wendepunkt in Form einer Ausbildung als Köchin. Interessanterweise ist es derzeit genau ihre sehr verlangsamte Grundhaltung, die Frau B. den Job erhält. Die Küchenchefin ist begeistert, dass Frau B. stoisch allen Stress an sich abperlen lässt und mit gleichmütiger Gelassenheit alle Arbeiten Schritt für Schritt erledigt.

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin... und die schwierige Klientin

Frau A. ist wirklich kein einfacher Mensch. Unschätzbaren Alters, eine quirlige, dicke, aufdringliche Person, die jeden anquatscht, unermüdlich Fragen und Forderungen stellt, zeitweise einen süßlichen Charme entwickelt und im gleichen Moment wie eine Dampframme zuschlagen kann. Ihre Diagnose umfasst sowohl eine geistige wie auch eine seelische Behinderung. Ich würde auch noch eine soziale Behinderung hinzufügen, nachdem ich das zweifelhafte Vergnügen hatte, ihre Großfamilie kennenzulernen.

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Ablehnung

Die geistig behinderte Betreute Frau R. hasst mich. Das ist nicht nur eine unwillige Antipathie, da ist richtig Power hinter. Sie kann nicht mit mir in einem Raum sein, sie regt sich furchtbar auf, wenn ich nur anrufe und sie setzt alle Hebel in Bewegung, um mich loszuwerden. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Tochter, ihrer Schwester und etlichen Mitgliedern ihres Akkordeonorchesters. Die sagen ihr alle immer wieder, dass ihre bescheuerte Betreuerin sie bevormundet und bestiehlt. Interessanterweise sind das genau die Vorwürfe, die ich gegen die Verwandten und die Akkordeonspielerinnen erhebe. Alle diese fürsorglichen Menschen sehen die gute Rente von Frau R. auf deren Konto glitzern. Und sie sehen noch eine viel größere Versuchung: Frau R. hat keine negativen Schufa-Einträge. Dies führt dazu, dass die nette Frau R. immer mal wieder hier 50 Euro verleiht, dort ihr Konto für eine Internetbestellung zur Verfügung stellt, Handyverträge für andere abschließt oder sich dazu überreden lässt, Sammelbestellerin für den Otto-Versand zu werden. Etliche Leute, die in der Geschäftswelt keinen Kredit mehr bekommen, bekommen den nun von Frau R. Die wiederum hat keine Ahnung, was da im Einzelnen passiert, weil sie weder lesen, schreiben noch rechnen kann.