Zur Hauptnavigation springen Zum Inhalt springen Zur Fußnavigation springen
19 Januar 2020

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… ist ratlos

Vor zwei Jahren habe ich die Betreuung von Frau K. von einer Kollegin übernommen, weil Frau K. damit gedroht hatte, deren Tochter umzubringen. Seitdem habe ich in der Sache jede Woche mindestens einmal mit der Polizei, der psychiatrischen Klinik, aufgebrachten Nachbarn und Geschädigten zu tun. Ich bin mit meinen Ideen am Ende. Alles ausprobiert, alles gescheitert.

Frau K., Jahrgang 1964, ist leicht geistig behindert und seit ihrer Kindheit psychiatrisch auffällig. Sie hat bereits in sehr vielen offenen und geschlossenen Einrichtungen gelebt, trauriger Höhepunkt war eine fast einjährige Dauerfixierung in einer Spezialgruppe für verhaltensauffällige Menschen mit Doppeldiagnose.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreueron… und die Ärzte

„Frau Eff, mir ist schleeeeeecht, ich muss immer brechen“, informiert mich die junge Klientin A. am Telefon. Ich alarmiere die Mitarbeiterin des Betreuten Wohnens, die aber leider nicht im Dienst ist. Vertretung ist auch gerade keine da. Also rate ich A. telefonisch zu Fencheltee und Abwarten. Die geistig behinderte Frau stöhnt und röchelt hörbar gequält, und sagt, dass sie schon fünfmal gekotzt habe, zuletzt nur noch Schaum. Hört sich nicht gut an, denke ich und fahre mit dem Auto zu ihr.
In der Wohnung angekommen, hockt sie wie ein Häufchen Elend am Boden und hält sich den Bauch.
„Was hast Du denn heute gegessen?“, will ich wissen.
„Nur Fruchtzwerge und Plätzchen“, sagt A. „Und die Tablette habe ich geschluckt. Die war voll dick, ich habs aber geschafft.“
„Was denn für ne Tablette?“
„Man, die vom Frauenarzt, weißt Du doch, die da.“ Sie zeigt auf eine offene Medikamentenpackung auf dem Tisch.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und das Glück

Ein langer Arbeitstag mit vielen Hausbesuchen, zwei Gesprächen in der psychiatrischen Klinik, ein Krankenhausbesuch. Unterwegs in den heruntergekommenen Wohnsiedlungen der Stadt, da, wo freiwillig keiner hinzieht. Verdreckte Fassaden, eingetretene Haustüren, das Plastik der Klingelknöpfe mit dem Feuerzeug angekokelt, die Fahrstühle defekt. Vor den Hauseingängen Stapel mit Sperrmüll, auf den Straßen kaum Autos – wenn, dann ist es das Fahrzeug eines Pflegedienstes.

Der letzte Termin dann bei Herrn B. „Gestern“ erzählt mir Herr B „hat sich jemand bei mir bedankt. Das hat sich schön angehört“. Er berichtet, wie er beim Spaziergang einem Jogger den engen Waldweg freigemacht hat, damit dieser ungehindert weiterlaufen konnte. Im Vorbeilaufen habe der Sportler „Danke!“ gerufen. „Gern geschehen“, habe er geantwortet, sagt Herr B. Das sei nach fünf Tagen das erste Mal gewesen, dass er mit einem Menschen gesprochen habe.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Weihnachtszeit

Frau A. sagt: Heiligabend kommt der Kevin sowieso nicht. Der geht lieber zu seinem Vatter. Is’ mir doch egal.

Herr W. sagt zu Frau Eff: Kommst Du Weihnachten zu mir? Ich back’ auch Plätzchen!

Frau L. sagt: Das ganze scheiß Weihnachten ist so ne Scheiße. Ich geh’ am Bahnhof, da ist immer jemand.

Herr E. sagt: Ich hab’ genug Flunis gesammelt, ich schieß mich ab.

Frau J. ist zum 21. Dezember ausgezählt. Sie bekommt ihr erstes Kind. 6000 Kilometer von ihrer Heimat entfernt. Kindesvater nicht bekannt.

Frau R.s Gebiss ist seit Tagen im Heim verschwunden. Die Altenpflegerin findet es im Weihnachtsbaum, dicht mit Lametta umwickelt.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin … muss sich aufregen

Klientin A. wechselt von der Jugendhilfe in die Sozialhilfe. Ihr Kindergeld, das bisher im Rahmen einer Abtretungserklärung an das Jugendamt ging, soll ab sofort auf ihr eigenes Konto. Ist ja Einkommen.
Als mein schriftlicher Antrag bei der Familienkasse auf Kontowechsel sieben Wochen folgenlos blieb, habe ich versucht, die Sache per Telefon, Fax und E-Mail zu beschleunigen. Das Ergebnis der Beschleunigung kam heute per Post, 12 Wochen nach meinem ersten Brief: „Aus den uns vorliegenden Unterlagen ist zu entnehmen, dass Sie offenbar die Auszahlung des anteiligen Kindergeldes an das Kind selbst beanspruchen. Als Anlage erhalten Sie daher einen Antrag auf Auszahlung des Kindergeldes. Bitte reichen Sie zudem ein…“ Ich fasse es nicht. Jeden Tag dieser Irrsein, jeden Tag diese blödsinnigen Schreiben von Ämtern, die jeden noch so einfachen Antrag in eine komplizierte Staatsaktion umwandeln. Jetzt muss ich neben dem Antragsformular auch eine aktuelle Ausbildungsbescheinigung und eine Einverständniserklärung des Vaters einreichen (der drogenabhängig und ohne festen Wohnsitz ist). Was hat denn der Vater damit zu tun, der das Kindergeld in der Vergangenheit ja auch nicht bekommen hat?

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Rückzahlung

Ein Schreiben von der Familienkasse: Die Betreute Jasmin W. soll 1.288,00 EUR Kindergeld zurückzahlen, weil sie diese Summe zu Unrecht bezogen habe. Anrufen kann man die Sachbearbeiter der Familienkasse ja nicht, es gibt nur ein Callcenter. Deshalb schreibe ich einen Brief, der zusammengefasst den Inhalt „Wie, zu Unrecht?“ hat. Drei Monate lang antwortet niemand, dann kommt die Begründung: Frau W. sei in der fraglichen Zeit nicht ausbildungssuchend gewesen.

Hm, denke ich. Wieso denn nicht ausbildungssuchend? Ich habe selbst mit ihr zusammen Beratungstermine bei der Berufsberaterin für Ausbildungssuchende wahrgenommen. Also Anfrage an die Agentur für Arbeit, mit der Bitte, den Status „ausbildungsplatzsuchend“ für die genannte Zeit zu bestätigen. Keine Antwort. Da ich sowieso einen Termin auf der zuständigen Etage habe, klopfe ich mal an das Büro der Dame, mit der Frau W. und ich seinerzeit über die Suche einer Ausbildungsstelle gesprochen haben. Name steht noch an der Tür, es sitzt aber ein Herr am Schreibtisch. Der klärt mich knurrend darüber auf, dass seine Kollegin nicht mehr hier arbeitet und man bitte einen Termin machen und nicht so bei ihm hereinplatzen soll. Es gelingt mir trotzdem, ihm meine Geschichte aufzunötigen und ich bitte ihn, mal im Comupter nachzuschauen. Sicher nur eine Formsache, die Kundin sei ja zweifelsfrei ausbildungsplatzsuchend gewesen. Widerwillig und schweigend tippt der Herr auf seiner Tastatur herum und sagt dann: „Ich hab hier nichts“. Er schaut mich an, like butter wouldn’t melt in his mouth, wie der Engländer so schön sagt.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… berät in Sachen Grundausstattung

Viele optimistische Leute aus sozialen Berufen machen sich ja auch deshalb als Betreuer selbstständig, weil man quasi mit der Grundausstattung eines Privatmenschen (Schreibtisch, Telefon, Computer, Taschenrechner, Auto) direkt loslegen kann. Jede Nageldesignerin braucht mehr an Equipment, als eine rechtliche Betreuerin. Das täuscht. Deshalb sollte man sich von einer erfahrenen Kollegin beraten lassen und nicht an kleinen zusätzlichen Investitionen sparen, die den Arbeitsalltag erleichtern. Frau Eff hat hier ein paar Tipps:

Zigaretten + Feuerzeug
Auch wenn man Nichtraucher ist, sollte man wenigstens so an einer Zigarette paffen können, dass man nicht hustet. Oft ist der Zugang zu einem Klienten in einer emotional aufgeladenen Situation mit einer wortlosen Geste (Zigaretten anbieten, Feuer geben) schneller hergestellt, als mit guten Argumenten.