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Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Rückzahlung

Ein Schreiben von der Familienkasse: Die Betreute Jasmin W. soll 1.288,00 EUR Kindergeld zurückzahlen, weil sie diese Summe zu Unrecht bezogen habe. Anrufen kann man die Sachbearbeiter der Familienkasse ja nicht, es gibt nur ein Callcenter. Deshalb schreibe ich einen Brief, der zusammengefasst den Inhalt „Wie, zu Unrecht?“ hat. Drei Monate lang antwortet niemand, dann kommt die Begründung: Frau W. sei in der fraglichen Zeit nicht ausbildungssuchend gewesen.

Hm, denke ich. Wieso denn nicht ausbildungssuchend? Ich habe selbst mit ihr zusammen Beratungstermine bei der Berufsberaterin für Ausbildungssuchende wahrgenommen. Also Anfrage an die Agentur für Arbeit, mit der Bitte, den Status „ausbildungsplatzsuchend“ für die genannte Zeit zu bestätigen. Keine Antwort. Da ich sowieso einen Termin auf der zuständigen Etage habe, klopfe ich mal an das Büro der Dame, mit der Frau W. und ich seinerzeit über die Suche einer Ausbildungsstelle gesprochen haben. Name steht noch an der Tür, es sitzt aber ein Herr am Schreibtisch. Der klärt mich knurrend darüber auf, dass seine Kollegin nicht mehr hier arbeitet und man bitte einen Termin machen und nicht so bei ihm hereinplatzen soll. Es gelingt mir trotzdem, ihm meine Geschichte aufzunötigen und ich bitte ihn, mal im Comupter nachzuschauen. Sicher nur eine Formsache, die Kundin sei ja zweifelsfrei ausbildungsplatzsuchend gewesen. Widerwillig und schweigend tippt der Herr auf seiner Tastatur herum und sagt dann: „Ich hab hier nichts“. Er schaut mich an, like butter wouldn’t melt in his mouth, wie der Engländer so schön sagt.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… berät in Sachen Grundausstattung

Viele optimistische Leute aus sozialen Berufen machen sich ja auch deshalb als Betreuer selbstständig, weil man quasi mit der Grundausstattung eines Privatmenschen (Schreibtisch, Telefon, Computer, Taschenrechner, Auto) direkt loslegen kann. Jede Nageldesignerin braucht mehr an Equipment, als eine rechtliche Betreuerin. Das täuscht. Deshalb sollte man sich von einer erfahrenen Kollegin beraten lassen und nicht an kleinen zusätzlichen Investitionen sparen, die den Arbeitsalltag erleichtern. Frau Eff hat hier ein paar Tipps:

Zigaretten + Feuerzeug
Auch wenn man Nichtraucher ist, sollte man wenigstens so an einer Zigarette paffen können, dass man nicht hustet. Oft ist der Zugang zu einem Klienten in einer emotional aufgeladenen Situation mit einer wortlosen Geste (Zigaretten anbieten, Feuer geben) schneller hergestellt, als mit guten Argumenten.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Selbstbestimmung

„Wären Sie denn damit einverstanden, dass Frau Eff in Zukunft ihre rechtliche Betreuerin ist und alles Notwendige für Sie regelt?“, fragt der Richter mit lauter, nachdrücklicher Stimme nun schon zum dritten Mal die alte Dame, die ihn mit angsterfüllten Augen anschaut. Vor drei Wochen ist sie böse gestürzt, die Anhörung findet im Krankenhaus statt, der Arzt hat ihr gesagt, sie könne auf keinen Fall mehr zurück in ihre Wohnung.

„Sie sehen doch selbst, dass Sie mit Ihrer Suchterkrankung nicht mehr alleine klar kommen. Wenn Sie nicht einwilligen, hier im Wohnheim einen neuen Anfang zu machen, sehe ich schwarz für Ihre Zukunft. Sie müssen sich jetzt mal dazu äußern, also: Ja oder Nein?!“. Der Abteilungsleiter des Heimes will eine Entscheidung. Ohne eine Willensbekundung, einen „Auftrag“ des Klienten, sagt er, wolle er ihn nicht aufnehmen.

„Aber die Dreimonatsspritze ist doch viel praktischer, als die Pille! Da musst Du nicht jeden Tag eine Tablette nehmen“, wird der lernbehinderten Daniela beim Frauenarzt von der Mitarbeiterin des Behindertenwohnheims eindringlich nahe gelegt. Die Gynäkologin hat die Spritze schon in der Hand. Daniela guckt skeptisch und verschränkt die Arme.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… wird beliefert

Es klingelt. Ich bin gerade mitten in der Rechnungslegung für Frau M. und es sind seit zwei Stunden unterm Strich 0,42 Euro zu viel. Zu viel! Wie ich das hasse. Es klingelt wieder, ich laufe zur Tür und bediene die Gegensprechanlage:
„Ja bitte, wer ist da?“
„Bofrost!“
„Ich hab nichts bestellt.“
„Doch, zweimal Riesengarnelen, einmal Knusperente, zweimal Rösti-Baguettes und einmal Waffelhörnchen.“
„Hab ich nicht bestellt, nie im Leben!“
„Sind Sie nicht Frau B.?“
„Nein, ich bin Frau Eff und ich habe nichts bestellt.“
„Frau B. hat aber Ihre Adresse. Wohnt die nicht hier?“
„Nein, aber ich bin ihre rechtliche Betreuerin und ich habe Ihnen geschrieben, dass Sie keine Bestellungen mehr von Frau B. entgegen nehmen sollen und sämtlichen Schriftwechsel wegen der Mahnungen mit mir führen müssen.“
„Warum denn das?“
„Weil Frau B. kaufsüchtig ist und den Tiefkühlkram weder braucht noch bezahlen kann.“
„Versteh ich nicht. Warum bestellt die das dann?“

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Nebentätigkeiten

Unter dem Betreuungsgutachten für die neue Klientin steht mal wieder der Name des Oberarztes der hiesigen psychiatrischen Klinik. Seltsam, dass der vielbeschäftigte Mann anscheinend Zeit hat, außerhalb seiner Dienstzeit aufwändige Gutachten zu verfassen. Will ich ihn als Klinikarzt sprechen, ist er entweder in der Visite, auf einer Fortbildung, bei der Übergabe oder zu Tisch. Welcher Schreibkraft der Herr Doktor seine eloquenten und mit Fachvokabular gespickten Gutachten diktiert, will ich lieber nicht wissen. Es gibt da aber offene Geheimnisse.

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin … und die Betonköpfe

„Frau Eff“, ruft mich völlig aufgelöst die Betreute Elvira M. an „die haben uns 230 Euro gestrichen, wovon sollen wir denn jetzt leben!“. „Die“ sind die vom Jobcenter, und ich rufe gleich mal die Sachbearbeiterin an, um zu erfahren was da los ist. „Jaaa…“, erläutert mir die zuständige Dame mit unverhohlenem Stolz in der Stimme „wir haben davon Kenntnis erhalten, dass die Tochter ihrer Betreuten seit vier Monaten ein Einkommen hat, das nicht angegeben wurde“.

Mit einiger Mühe erfahre ich, was passiert ist: Die psychisch kranke Frau M. lebt als allein erziehende Mutter mit drei Kindern im Alter von acht, elf und 18 Jahren in einer kleinen Wohnung.

Fotolia_FrauEffFrau Eff… macht Urlaubsvertretung

Kollegin Susanne ist für drei Wochen in Frankreich, Kollege Paul liegt mit Schlüsselbeinbruch im Krankenhaus und Frau Eff macht für beide die Vertretung, d.h. 87 Fälle zusätzlich.
Vertretung bedeutet bei uns im Amtsgerichtsgezirk nicht, dass Frau Eff in den Bestellungsurkunden offiziell als Vertretungsbetreuerin eingetragen wäre. Das hatten ein paar Richter mal ausprobiert und schnell wieder drangegeben, als die benannten Vertreter wegen Berufsaufgabe oder ähnlichen Unwägbarkeiten kaum besser greifbar waren, als die abwesenden „Hauptbetreuer“. Ständig mussten Urkunden aktualisiert und neue Vertreter gefunden werden. Das war zu umständlich. Jetzt machen wir es so: Ist ein Betreuer mehr als zwei Tage nicht erreichbar, nennt er auf seinem Anrufbeantworter die Telefonnummer eines Vertreters, der dann Ansprechpartner für alle dringend Fragen ist. Meist sind ja trotz allem Palaver doch nur organisatorische Fragen zu klären. Steht tatsächlich eine unaufschiebbare betreuungsrechtliche Entscheidung an, setzt sich die Vertretung mit dem Amtsgericht in Verbindung und wird dann (meist per Fax) offiziell als Vertretungsbetreuer bestellt – oder das Gericht trifft die Entscheidung im Eilverfahren selbst, z.B. bei Operationen.