14 Dezember 2018

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Immer mal wieder nehme ich eine der zahlreichen Fachzeitschriften zur Hand und lese mich durch wortreiche und sinnkluge Artikel. Man erfährt dort viel über die UN-Konvention für die Rechte von Behinderten, es werden Frage gestellt wie „Wie zukunftsfähig ist die Sozialpsychiatrie im globalen Netzwerkkapitalismus?“, das Recht auf Selbstbestimmung wird trialogisch diskutiert sowie eine bessere Zusammenarbeit der Gemeindepsychiatrischen Verbünde mit den gesetzlichen Betreuern gefordert.
Nach zehn Seiten Fachlektüre bin ich dann immer ganz unleidlich und muss an die frische Luft. Weil ich mich darüber aufrege, so unpraktische Dinge zu lesen.

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Frau M. hat, wie viele meiner Klienten, einen großen Hang zur Kleintierhaltung. Neben einem Hund und etlichen Vögeln beherbergt sie in einem 7-Quadratmeter Wohnzimmer nicht nur Sitzmöbel für ca. 20 Personen sondern auch vier Kaninchen. Zwei weibliche Tier in einem riesigen Käfig, zwei männliche in einem anderen. Obwohl sie schwört, die Tier nie zusammenzulassen („Ich schwöre bei Gott, Frau Eff!“), sind die Weibchen immer wieder trächtig. Frau M. trägt die daumengroßen, nackten Tiere nach der Niederkunft auf dem Arm herum und himmelt sie als ihre „Babys“ an. Das ist nicht schön, zumindest für die Kaninchen, die oft die ersten Tage nicht überleben. Schlimmer sind allerdings die männlichen Tiere, die natürlich auch nicht kastriert sind, dafür aber machomäßig die Umgebung mit ihrem Urin markieren. Erstaunlich geschickt stellen sie sich etwas schräg in den Käfig und pissen an die nahe liegende Wand. Dort ist alles gelb und stinkt.

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Mal wieder zum Frisör. „Bei Ihnen müssen wir erstmal eine Pflegespülung machen, sie haben ja strohtrockene Haare!“, sagt die Frisörin anklagend, als sie mir ihre Finger wenig vorsichtig durch die Mähne zieht. „Sie sollten auch nicht diese Spangen benutzten, die machen das Haar an der Stelle ganz spröde und brüchig. Schon mal über eine andere Farbe nachgedacht? Etwas dunkler würde Ihnen gut stehen!“. Ich sitze vor dem Spiegel, in einem hochgebockten Stuhl, den Frisierumhang eng am Hals, und fühle mich der Frisörin hilflos ausgeliefert. Sie kritisiert an mir herum, macht ständig Verbesserungsvorschläge, die sie gaaanz toll findet und stellt mir eine persönliche Frage nach der anderen. „Haben Sie Probleme mit Schuppen?“ Ich versuche ihrem Verbesserungswahn dadurch zu entkommen, dass ich ihr nicht in die Augen schaue und möglichst nicht antworte.

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Wir freuen uns außerordentlich ab 01. Juli 2011 eine  ganz neue „Farbe“ in Form einer herzerfrischenden Kolumne  in der BtDirekt zu haben. Die ersten Texte  konnten wir schon lesen und haben den ganzen Tag vor uns hin geschmunzelt. Also dann - immer an dieser Stelle Geschichten aus dem Betreueralltag von und mit FrauEff_ende