18 Dezember 2018

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… berät in Sachen Grundausstattung

Viele optimistische Leute aus sozialen Berufen machen sich ja auch deshalb als Betreuer selbstständig, weil man quasi mit der Grundausstattung eines Privatmenschen (Schreibtisch, Telefon, Computer, Taschenrechner, Auto) direkt loslegen kann. Jede Nageldesignerin braucht mehr an Equipment, als eine rechtliche Betreuerin. Das täuscht. Deshalb sollte man sich von einer erfahrenen Kollegin beraten lassen und nicht an kleinen zusätzlichen Investitionen sparen, die den Arbeitsalltag erleichtern. Frau Eff hat hier ein paar Tipps:

Zigaretten + Feuerzeug
Auch wenn man Nichtraucher ist, sollte man wenigstens so an einer Zigarette paffen können, dass man nicht hustet. Oft ist der Zugang zu einem Klienten in einer emotional aufgeladenen Situation mit einer wortlosen Geste (Zigaretten anbieten, Feuer geben) schneller hergestellt, als mit guten Argumenten.

Hund, klein + zutraulich
Bei fast allen Klienten der ideale Eisbrecher. Problem: Neuer Klient kneift misstrauisch die Augenbrauen zusammen und brummt „Betreuer brauch ich keinen“. Kleiner, zutraulicher Hund läuft auf neuen Klienten zu. Frau Eff ruf überrascht „Sie mögen Hunde, das merkt man gleich! Das macht der sonst bei keinem!“ Neuer Klient streichelt Hund, Vertrauensbasis hergestellt.

Hund, groß + mit Maulkorb
Bei fast allen Klienten der ideale Respekteinflößer. Es reicht aus, wenn man das Tier stundenweise irgendwo ausleihen kann.

Kleintiertransportbox, möglichst mehrere
Immer mal wieder muss man Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und andere Kleintiere aus der Wohnung von Klienten entfernen. Eine stabile Transportbox im Auto, ein beherzter Griff und die im Navigationsgerät einprogrammierte Adresse des Tierheims ist einem endlosen Palaver mit dem zuständigen Ordnungs- oder Veterinäramt in jedem Fall vorzuziehen. Glauben Sie mir.

Gebrauchte Umzugskartons
Rechtliche betreute Menschen tendieren dazu, häufig umzuziehen. Nie (NIE) verpacken sie ihr Hab und Gut in Kartons, immer in Plastiktüten, die schon auf den ersten Metern zum Umzugswagen aufplatzen. Die Investition in 20 gebrauchte Umzugskartons kostet keine 30 Euro und schont die Nerven aller Beteiligten für mindestens 300 Euro. Ausgabe der Kartons natürlich immer nur leihweise.

Fotoapparat mit Makroeinstellung
Man will sich bei der Heimleitung über die schlechte Pflege einer Betreuten beschweren? Die Wohnung einer Klientin weist Schimmelbefall auf? Das Sozialamt will nicht glauben, dass Herr X ein Messi ist? Schicken Sie jeweils eine E-Mail mit der Nahaufnahme des Dekubitusgeschwüres, der schimmelgrünen Wand, der kniehoch zugemüllten Wohnung. Wirkt oft wahre Wunder. Drohungen mit der Presse werden ebenfalls sofort ernst genommen.


Hängeregister
Sich vorwurfsvoll auf dem Schreibtisch stapelnde unbearbeitete Post lähmt die Schaffenskraft und versauert die Laune. Hängeregistermappen nehmen unfassbar große Mengen an Schriftstücken auf und machen sie damit quasi unsichtbar. Dringend zu bearbeitende Sachen kommen in eine rote Plastikhülle, weniger dringende in eine blaue. Man hat beim Sortieren sogar den befriedigenden Eindruck, die Post schon halbwegs erledigt zu haben. Spätestens wenn man seine Vorräte an roten Plastikhüllen aufgebraucht hat, sollte man die wirkliche Bearbeitung starten.

Auch vorhandene Geräte können phantasievoll für die alltägliche Arbeit genutzt werden, wie die US-Serie The Wire eindrucksvoll am Fall des Fotokopierers zeigt: Man sagt dem unaufrichtigen Klienten, man habe einen neuen Lügendetektor und bittet ihn, seine Hand auf den offenen Kopierer zu legen. Damit es keine Fingerabdrücke gibt, hat man ein (präpariertes) Blatt Papier untergelegt. Vorsichtig schließt man die Klappe des Gerätes und stellt eine Frage. Der Klient antwortet. Dann drückt man unauffällig die Copy-Taste und der Lügendetektor spuckt sofort seine Analyse aus: „FALSCH“.
Wenn alle Beteiligten dann darüber lachen können, ist man beim Arbeitsmittel Nummer 1 in der Betreuungsarbeit gelandet: Humor.