9 Dezember 2018

Fotolia_FrauEffFrau Eff… macht Urlaubsvertretung

Kollegin Susanne ist für drei Wochen in Frankreich, Kollege Paul liegt mit Schlüsselbeinbruch im Krankenhaus und Frau Eff macht für beide die Vertretung, d.h. 87 Fälle zusätzlich.
Vertretung bedeutet bei uns im Amtsgerichtsgezirk nicht, dass Frau Eff in den Bestellungsurkunden offiziell als Vertretungsbetreuerin eingetragen wäre. Das hatten ein paar Richter mal ausprobiert und schnell wieder drangegeben, als die benannten Vertreter wegen Berufsaufgabe oder ähnlichen Unwägbarkeiten kaum besser greifbar waren, als die abwesenden „Hauptbetreuer“. Ständig mussten Urkunden aktualisiert und neue Vertreter gefunden werden. Das war zu umständlich. Jetzt machen wir es so: Ist ein Betreuer mehr als zwei Tage nicht erreichbar, nennt er auf seinem Anrufbeantworter die Telefonnummer eines Vertreters, der dann Ansprechpartner für alle dringend Fragen ist. Meist sind ja trotz allem Palaver doch nur organisatorische Fragen zu klären. Steht tatsächlich eine unaufschiebbare betreuungsrechtliche Entscheidung an, setzt sich die Vertretung mit dem Amtsgericht in Verbindung und wird dann (meist per Fax) offiziell als Vertretungsbetreuer bestellt – oder das Gericht trifft die Entscheidung im Eilverfahren selbst, z.B. bei Operationen.

Eine interessante Beobachtung in diesem Zusammenhang ist, dass die Betreuten selbst sich gut mit dieser Regelung arrangieren können und prima in der Lage sind, ihre Fragen und Bedürfnisse aufzuschieben, bis „ihr“ Betreuer wieder da ist. Ganz anders als beispielsweise Mitarbeiter von Heimen. Nachdem sie auf dem Anrufbeantworter des abwesenden Kollegen gehört haben „In dringenden Notfällen wenden Sie sich bitte an Frau Eff unter der Telefonnummer…“ rufen sie mich unbekümmert Sonntagmorgen um 7:30 Uhr an und sprechen mir Folgendes auf Band:
„Schwesta Swätlana, Altänheim Maria Hilf, Gäht äs um die Höhastufung von Küppersbusch Katharina. Brauchen wir umgähend Unterschrift von Bätreua. Könnän Sie bittä bis morgän faxän“. So etwas am Montagmorgen hören, während der Computer noch hoch läuft, das stählt einen für die ganze kommende Woche.

Oder ein anderes schönes Beispiel. Es klingelt, ich gehe ans Telefon und melde mich:

„Frau Eff, guten Tag.“
„Sie machen doch die Vertretung für Herrn Talke Der hat bei uns den Ralf wohnen. Da haben wir einen Hilfeplan zugeschickt. Den hat der noch nicht zurückgeschickt. Das ist jetzt schon fünf Wochen…“
„Wer sind Sie?“, unterbreche ich den Anrufer.
„Äh…‚ tschuldigung, Suter mein Name, Wohngruppe Romero.“
„Hallo Herr Suter. Können Sie mir erklären, was ein Notfall ist?“
„Wieso?“
„Nur so, ganz allgemeine Frage.“
„Wenn ein Krankenwagen kommen muss?“
„Ja, Herr Suter, das kommt der Sache schon nahe. Kein Notfall ist es, wenn irgendwo ein Hilfeplan fehlt.“
„Aber wir brauchen den langsam mal!“
„Zweifellos, aber dafür fahre ich jetzt nicht 32 Kilometer in die Stadt, wo Herr Talke sein Büro hat, breche dort ein, suche den Hilfeplan, unterschreibe den rechtswidrig und schicke ihnen das Papier zu. Oder hatten Sie das erwartet?“
„Ach, Sie arbeiten gar nicht bei Herrn Talke?“
„Nein, Herr Suter, schon die Telefonvorwahl hätte Sie auf diese Idee bringen können.“
„Dann entschuldigen Sie bitte die Störung.“
„Kein Problem, schönen Tag noch.“

Nicht immer gelingt es Frau Eff, in solchen Situationen die Contenance zu bewahren.
FrauEff_ende