12 Dezember 2018

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin … muss sich aufregen

Klientin A. wechselt von der Jugendhilfe in die Sozialhilfe. Ihr Kindergeld, das bisher im Rahmen einer Abtretungserklärung an das Jugendamt ging, soll ab sofort auf ihr eigenes Konto. Ist ja Einkommen.
Als mein schriftlicher Antrag bei der Familienkasse auf Kontowechsel sieben Wochen folgenlos blieb, habe ich versucht, die Sache per Telefon, Fax und E-Mail zu beschleunigen. Das Ergebnis der Beschleunigung kam heute per Post, 12 Wochen nach meinem ersten Brief: „Aus den uns vorliegenden Unterlagen ist zu entnehmen, dass Sie offenbar die Auszahlung des anteiligen Kindergeldes an das Kind selbst beanspruchen. Als Anlage erhalten Sie daher einen Antrag auf Auszahlung des Kindergeldes. Bitte reichen Sie zudem ein…“ Ich fasse es nicht. Jeden Tag dieser Irrsein, jeden Tag diese blödsinnigen Schreiben von Ämtern, die jeden noch so einfachen Antrag in eine komplizierte Staatsaktion umwandeln. Jetzt muss ich neben dem Antragsformular auch eine aktuelle Ausbildungsbescheinigung und eine Einverständniserklärung des Vaters einreichen (der drogenabhängig und ohne festen Wohnsitz ist). Was hat denn der Vater damit zu tun, der das Kindergeld in der Vergangenheit ja auch nicht bekommen hat?

Wie kompliziert viele Amtsbriefe oft sind, zeigt auch die irre Idee in Berlin, in den Jobcentern „Bescheiderklärer“ in die Gänge zu setzen. Das sind vom Steuerzahler bezahlte Fachleute, die den „Kunden“ der Jobcenter die SGB II-Bescheide erklären sollen, wenn die diese nicht verstehen. Bescheiderklärer. Was für eine Bankrotterklärung! Und das parallel zum Aktionspapier der Bundesregierung zur Umsetzung der UN Konvention für Behinderte. Wir erklären einfach alle Bürger zu Behinderten, dann ist jede Maßnahme, aber auch wirklich jede, ein Erfolg im Bereich der Inklusion.
Bescheiderklärer!  Man solle das Wort in Werkstätten für Behinderte auf große Handtücher sticken lassen. Diese Handtücher sollten nass gemacht und den jeweiligen Jobcentermitarbeitern aller Hierarchiebenen um die Ohren gehauen werden. Stundenlang. Bis Amnesty International kommt.

Warum erfindet man denn nicht „Verständlichkeitserzwinger“? Jeder Bescheid müsste vor dem Versand an den Empfänger den strengen Augen dieser Kontrollinstanz vorgelegt und nötigenfalls nachgebessert werden. Oder „Verdeutscher“. Die könnten dann aus Sätzen wie „Dem Begehren des Widerspruchführers konnte abgeholfen werden“ so etwas Einfaches wie „Sie hatten Recht“ machen.

Ich bin ja mittlerweile schon dazu übergegangen, die Schreibtischtäter in einem Akt der subversiven Unterwürfigkeit persönlich aufzusuchen und sie aufzufordern: „Holen Sie tief Luft und erklären Sie mir das, als wäre ich fünf Jahre alt. Nur so kommen wir hier weiter“.

Leider klappt das mit der persönlichen Konfrontation nicht überall. Etliche Feinde der rechtlichen Betreuer verstecken sich mittlerweile hinter Callcentern und 0180-er Nummern. Da ist die Demütigung nicht nur automatisiert, wir bezahlen auch noch dafür.
Computerstimme: „Wenn Sie Beratung wünschen, sagen Sie bitte ‚Beratung’“.
Frau Eff, nörgelig: „Beratung.“
„Entschuldigung, leider könnten wir Sie nicht verstehen. Wiederholen Sie Ihr Anliegen.“
„Be. Ra. Tung.“
Stille.
„Bitte rufen Sie zu einem anderen Zeitpunkt wieder an.“

Aber zumindest diese Einbahnstraße kann immer häufiger vermieden werden. Clevere Menschen haben die Seite www.0180.info ins Netz gestellt. Dort findet man die echten Festnetznummern, oft mit echten Menschen, die sich hinter den 0180-er Telefonnummern verbergen. Gute Sache.