14 Dezember 2018

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin... und das Urlaubsbudget

Im Urlaub, in fremden Ländern bei Sonnenschein und viel frischer Luft, kann man sich prima erholen und sein Leben ein bisschen entschleunigen. Wenn man, wie Frau Eff, eine Sozialisation hinter sich hat, die zur Sparsamkeit mahnt, kann man im Urlaub sogar etwas für die Arbeit lernen. Verreisen in Nicht-Euro-Länder als Fortbildung sozusagen.
Bei mir war es dieses Jahr so: Wie so oft schon bin ich ins schöne England gefahren, wo man ja noch mit dem Britischen Pfund bezahlt und durchweg etwas höhere Preise herrschen als in Deutschland. Am Geldscheinautomaten hatte ich 200 Pfund abgehoben, das entspricht knapp 230 Euro. Das sollte erst einmal für Einkäufe und die täglichen Ausgaben reichen, dachte ich.
An der Kasse im Supermarkt waren dann direkt schon 89 Pfund weg, dabei hatte ich wirklich nur das aller, aller Notwendigste für das Leben in der Ferienwohnung gekauft.

Nach zwei Tagen musste ich schon wieder einkaufen und war sogleich am rechnen: 0,68 Pfund für eine halbe (!) Salatgurke?! Der übliche Preis im Supermarkt… Eine lächerliche 0,33 Liter Flasche Bier kostet 1,79 Pfund, Toilettenpapier: 2,40 Pfund für vier lumpige Rollen. Und alles keine Luxusware. Brötchen beim Bäcker 0,30 Pfund, ein Stück Möhrenkuchen 1,80 Pfund. Das ging dann so weiter. Eine Stunde Parken macht 4 Pfund. Eintritt ins Schloss: 13 Pfund pro Person. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich will hier nicht über England meckern. Das Preisniveau ist dort etwas höher, die Gehälter auch, die Preise sind in Ordnung.
Aber für mich war es eine erhellende Erfahrung. Ich habe mich mit meinen 200 Pfund gefühlt wie ein Sozialhilfeempfänger. Das Geld ist mir nur so durch die Finger geronnen, und wie meinen Klienten ist mir in England häufig der Satz „Aber ich habe doch fast nichts gekauft, nur das Notwendige“ über die Lippen gekommen.

Wenn man im Urlaub mit einer fremden Währung umrechnen muss, genau auf die Preise schaut und deshalb sehr anschaulich sieht, wie viel Geld man täglich ausgibt, kommt man schon ins Grübeln. Ich hatte sogar Momente, wo ich im Laden dachte: Los jetzt, Du hast Urlaub, schau nicht auf den Preis, gönn‘ Dir mal etwas, eine kleine Belohnung rettet Dir den verregneten Tag. Schwupp, wieder acht Pfund weg, für Süßigkeiten (vanilla fudge… leeeeeeeecker!). Ist mir ja mehr als bekannt, diese irrationale Begründung. Wie oft stehe ich fassungslos vor einer meiner Klientinnen, die die Hälfte ihres Wochenbudgets für Fingernagel-Styling oder das siebte Paar Sandalen ausgegeben hat, „um sich auch mal etwas zu gönnen“. In England, als ich abends feststellen musste, dass nur noch ein Schein mit dem Bild der Queen im Portemonnaie war, konnte ich die Leute auf einmal verstehen. Zuhause bin ich ja auch nicht reicher, aber da gebe ich das Geld weniger reflektiert und selbstverständlicher aus. Im Urlaub ist mir deutlich vor Augen geführt worden, dass ich ständig Konsumwünsche habe, die Geld kosten, und dass mein Geld sehr begrenzt sein kann.
Wenn man sich jetzt noch eingesteht, dass viele Klienten ihr Leben von Hartz 4 als eine ähnliche Ausnahmesituation verstehen wie ich die Urlaubswochen, stellt sich schon eine beunruhigende Analogie ein. Mit dem großen Unterschied, dass ich einigermaßen sicher weiß, dass mein Bankkonto nicht leer ist, meine Klienten ihre Kontoauszüge weit im Dispo aber verdrängen müssen, um sich mit einem großen Eisbecher oder einem Kinobesuch über einen frustrierenden Alltag zu retten. Die Ursache unserer Konsumwünsche ist dieselbe, ihre Berechtigung steht außer Frage, nur die Konsequenzen treffen uns unterschiedlich hart.