12 Dezember 2018

Fotolia_FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Einzelheinze

Immerhin schaffen wir es, uns viermal pro Jahr zu treffen. Ungefähr die Hälfte aller in meiner Region tätigen professionellen Betreuer und Betreuerinnen finden sich dann zu einem zweistündigen gemeinsamen Arbeitskreis zusammen. Zunehmend muss ich feststellen, dass der gute Wille, etwas Gemeinsames zu machen, beim kollektiven Kaffeetrinken leider schon endet. Wird in der Runde etwas zur Diskussion gestellt, gibt es nur wenige Redebeiträge – davon mindestens einen in einem zynischen, herablassenden Ton.

Gerne brüsten sich einige mit halblegalen Tricks und rigorosem Vorgehen gegen die Verfahrensbeteiligten. Sätze wie „Da hab’ ich den erstmal ordentlich zusammengefaltet, so klein mit Hut!“ donnern dann durch den Raum. Eher unsichere Berufsanfänger trauen sich angesichts dieser Anekdoten nicht unbedingt, eine Frage zu stellen.
Im kollegialen Austausch wird die eigene Vorgehensweise häufig als die einzig wahre und professionelle dargestellt und ebenso gerne findet der Humor auf Kosten anderer statt. Wem das nicht gefällt, der ist zu naiv und zu empfindlich und daher für den Betreuerberuf sowieso nicht geeignet.

Frau Eff fragt sich manchmal, woher dieses Unvermögen zur Teamarbeit und diese reflexartige Besserwisserei eigentlich kommen. Ich hätte dazu ein paar Theorien:
Was sind das für Menschen, die im sozialen Bereich die Selbstständigkeit suchen? Persönlichkeiten, die nicht so wirklich Lust haben, in Teams oder in Hierarchien zu arbeiten, vermute ich. Ich treffe jedenfalls viele Kollegen, die als Arbeitnehmer in Institutionen gescheitert sind. Frau Eff übrigens eingeschlossen. Ich selbst finde es großartig, keinen Vorgesetzten zu haben, keine endlosen Besprechungen aushalten zu müssen und auch nie mehr wieder an erzwungenen Geselligkeiten wie Weihnachtsfeiern oder Betriebsausflügen teilnehmen zu müssen. Ich arbeite gerne alleine und eigenverantwortlich. Ich glaube, Berufsbetreuer sind im Grunde ihres Herzens Einzelheinze, die ihr Ding alleine machen. Das Brummige, Eigensinnige ist vielleicht gar keine schlechte Laune, sondern einfach ein Charakterzug. Oder eine Berufskrankheit: Ein forsches Auftreten legt man sich im alltäglichen Kampf gegen die Windmühlen der Bürokratie ganz von selbst zu, aus purem Selbstschutz.
Als rechtlicher Betreuer ist man es auch gewohnt, immer alles wissen zu müssen, meistens sofort und besser als andere. Und wenn man etwas nicht weiß, dann blufft man erst einmal, machen die anderen ja auch.

Aber nicht alle Situationen eignen sich dazu, Argumente und Meinungen wie Skatkarten auf den Tisch zu dreschen. Ich fände es daher begrüßenswert, wenn wir auch unter Kollegen weniger gegeneinander als miteinander spielen würden. Und wirklich ganz toll wäre es, wenn wir untereinander Hilfe und Unterstützung besser austauschen könnten. Warum gibt es so wenig Musterbriefe für Situationen, die wir alle regelmäßig vorfinden? Warum findet man auch im Netz so selten Übersichten wie die von Harald Thomé www.harald-thome.de/oertliche-richtlinien.html? Warum ist es oft für Berufsanfänger so schwer, eine Urlaubsvertretung zu finden?

Wir sollten unser Wissen mehr bündeln und anderen Kollegen zur Verfügung stellen, findet Frau Eff. Was unseren Arbeitskreis angeht, hoffe ich beispielsweise seit Jahren, dass wir es einmal schaffen, eine Liste mit preiswerten Hilfskräften in unserer Region zu erstellen (Besuchsdienste, Umzugshelfer, Handwerker, Haushaltshilfen, Alltagsbegleiter etc.). Das haben wir in den vergangenen 15 Jahren trotz mehrfacher Anläufe noch nicht geschafft. Wäre also langsam mal an der Zeit.