18 Dezember 2018

FrauEffFrau Eff, Berufsbetreuerin… und die Schulden

Bei der Übernahme von neuen Betreuungsfällen ist die Frage nach Schulden ein fester Punkt auf der Checkliste. Das Vermögensverzeichnis muss wahrheitsgemäß ausgefüllt werden und nicht selten ist auch die drohende Überschuldung Anlass für die Betreuerbestellung. Also beim Erstgespräch beherzt das Thema angesprochen.

Frau Eff: So Herr T., Rente, Vermieter, Krankenversicherung und ihre Ärzte habe ich notiert, kommen wir mal zum Thema Geld. Wo haben Sie denn ihr Konto?
Herr T.: Beia Volksbank. Mussich aba immer sofort abräumen, weil sonst is dat weg.
Frau Eff: Haben Sie Schulden?
Herr T.: Nee, Schulden hab ich nich. Hab ich noch nie gehabt. Ich bin anders erzogen worden.
Ah, ja… Wieso müssen Sie denn dann das Konto leerräumen?
Herr T.: Keine Ahnung, hat vielleicht wat mit der Stadt zu tun. Müssen Sie mal die Briefe hier gucken.

Frau Eff blättert durch fleckenreiche Schreiben der städtischen Wohngeldstelle und sieht sogleich, dass dort Forderungen in Höhe von immerhin 912 Euro bestehen. Frau Eff fragt: Ich sehe hier doch Schulden, ist Ihnen das nicht bekannt?
Herr T.: Dat ist nur, weil ich dachte, dat ich die kleine Rente, so ne Zusatzrente, also eigentlich nur so wat fürn hohlen Zahn, nich denen sagen muss. Dat is vonne Stadt, nicht so richtige Schulden.
Frau Eff: So, so. Lassen Sie mich anders fragen: Hat in den letzten Jahren mal jemand Geld von Ihnen verlangt?
Herr T.: Ja, dat kannste wohl glauben! Die Banditen vonnet Handy und janz klar auch die mit dem scheiß Biostrom. Ich hab mich dahin gewechselt, weil ich dachte, dat ist billiger, aber dann kam dat dicke Ende, Nachzahlung fast tausend Dollar, alles Beschiss, die Brüder.
Okay, da kommt ja dann doch ein bisschen Arbeit auf mich zu. „Wo haben Sie die Mahnschreiben aufbewahrt?“ frage ich.
Herr T.: Hömma, ich bin en alta Mann, meine Taschen sin leer, ich hab die Gabel gemacht, un nu is auch jut.

Mit „die Gabel machen“ meint er die Abgabe einer Eidesstattlichen Versicherung (früher musste man dabei die Hand heben und die Finger ausstrecken). Er hat aber noch mehr in petto, in Sachen Schulden.

Herr T.: Außerdem habe ich auch eine private Isolation beia Caritas gemacht, damit bin ich aussem Schneider, ham die mir gesagt. Beweis is gleich hier bei die Kontoauszüge.
Herr T. überreicht mir den Beschluss des Amtsgerichtes über die Eröffnung eines privaten Insolvenzverfahrens, das die Schuldnerberatungsstelle der Caritas für ihm beantragt hat.

So sorglos und naiv, wie manche Schuldner mit ihren Schulden umgehen, so trickreich und schamlos schleimen sich die Gläubiger in spe an die armen Schlucker heran, um ihnen noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Meine hoffnungslos überschuldete, kaufsüchtige Klientin Frau M., die ich wegen wiederholter Bestellungen beim Kosmetikversandhaus Yves Rocher auf die schwarze Liste habe setzen lassen („Sie nehmen bitte von dieser Frau KEINE Bestellungen mehr entgegen“), bekommt von eben dieser Firma einen goldglitzernden Brief: „Spargutschein im Wert von Eintausendeinundzwanzig Euro – für treue Kunden“. Das Schreiben verspricht die Lieferung eines 102 cm LCD-TV-Gerätes, zweier Smart Phones sowie 2 x 50 Euro Gesprächsguthaben und vieles mehr, für sage und schreibe nur einen Euro. Bei genauerem Hinsehen kommt das Angebot auch nicht direkt von Yves Rocher, sondern von einem Mobilfunkvertragsmakler. Nachdem ich das Kleingedruckte mit einer Lupe gelesen habe, ist klar: Um an die versprochenen Geräte zu kommen, muss man einen total ungünstigen Mobilfunkvertrag abschließen, der in den nächsten zwei Jahren fast 2.000 Euro kosten wird, ohne dass man auch nur eine Minute telefoniert hat. Banditen und Wegelagerer!