27 Juni 2017

BVfB: In Schleswig-Holstein sollte niemand mehr neu als Berufsbetreuer einsteigen

Betreuungsvereine und selbständige Berufsbetreuer gegeneinander auszuspielen mit dem Argument, nur die Vereine seien wertvoll und die Berufsbetreuer müssten überflüssig gemacht werden, ist töricht und verantwortungslos“, erklärte Dr. Jörg Tänzer, Fachlicher Geschäftsführer des Bundesverbandes freier Berufsbetreuer e.V. in Berlin zur Ablehnung einer Vergütungserhöhung durch die schleswig-holsteinische Justizministerin Anke Spoorendonk.

Nicht entscheidend sei, dass die Ministerin, offensichtlich fachlich unzureichend beraten, mit falschen Berechnungen und unseriösen Statistikspielereien zu beweisen sucht, dass eine Vergütungserhöhung nicht gerechtfertigt sei, so Tänzer. „Diese Auffassung teilen zumindest auch die Justizminister von Bayern und Nordrhein-Westfalen. Neu ist aber, dass die Geringschätzung selbständiger Berufsbetreuer regierungsamtlich so unverblümt ausgedrückt wird.“

Unabhängig, wie sich seit 2005 die Rahmenbedingungen der Vergütungen entwickelt hätten, erzielten Berufsbetreuer mit einer durchschnittlichen Fallzahl von 40 Fällen bei einer den Arbeitnehmern vergleichbaren sozialen Sicherung ein Nettoeinkommen von nur noch 1.478 €, beklagte Tänzer. Wenn es nicht zu einer Erhöhung der Stundensätze und auch der Stundenansätze käme, dann würden künftig junge Hochschulabsolventen sich nicht mehr für eine Betreuertätigkeit interessieren, auch nicht bei einem Betreuungsverein.

„Wenn Länderjustizminister ernsthaft beabsichtigen, selbständige Berufsbetreuer für überflüssig zu erklären und alles auf die Gewinnung ehrenamtlicher Betreuer durch Vereine zu setzen, stellt das eine völlige Verkennung der Realität dar: Immer weniger Menschen sind bereit und in der Lage, ehrenamtlich die zunehmend schwierigeren Aufgaben einer rechtlichen Betreuung wahrzunehmen. Im Jahr 2019 wird es bundesweit gleichviel berufsmäßige und ehrenamtliche Betreuungen geben und der Trend wird sich fortsetzen“, sagte BVfB-Geschäftsführer Tänzer voraus.

Man dürfe ansonsten gespannt sein, wie denn die schleswig-holsteinischen Justizbehörden bei den noch tätigen Berufsbetreuern eine Qualitätssicherung hoheitlich zu vollstrecken gedächten, so Tänzer. „Als Partner einer gemeinsamen Qualitätssicherungsstrategie kommen die in den Augen der Ministerin überflüssigen und wertlosen Berufsbetreuer offenkundig nicht in Betracht.“