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20 September 2020

Fotolia_infoBeratung und Unterstützung durch Sozialhilfeträger – Abgrenzungsbedarf zur rechtlichen Betreuung

Der Deutsche Verein für öffentliche und private Vorsorge hat eine Arbeitshilfe zu den Leistungen der Beratung und Unterstützung für Sozialhilfeempfänger (sowie Aktivierung und Leistungsabsprachen/Förderplan) veröffentlicht. Die Arbeitshilfe zielt im Schwerpunkt auf die Beratung und Unterstützung von Personen, denen außerhalb von Einrichtungen (monetäre) Leistungen (nur) nach dem 3. oder 4. Kapitel SGB XII (nicht Eingliederungshilfeleistungen nach dem 6. Kapitel) zu erbringen sind. 

Fotolia_rollstuhlKeine Altersgrenze für Tagesstätte/Vorbereitung auf die WfbM erforderlich: Schwerstbehinderte Menschen, die nicht ein Mindestmaß wirtschaftlich verwertbarer Tätigkeit erbringen können, haben Anspruch auf die Kostenübernahme für eine Tagesförderstätte ohne Altersgrenze, wenn sie dort besser gefördert werden können als mit den tagesstrukturierenden Angeboten einer Wohnstätte. Es kommt nicht darauf an, ob später Werkstattfähigkeit erreicht werden könne, so das Sächsische Landessozialgericht in seiner Entscheidung vom 27. August 2009 (Az. L 7 SO 25/09 B ER).


Rückforderung von Kosten der Unterkunft rechtmäßig, weil Berufsbetreuer vom Jobcenter verschuldete Überzahlung hätte erkennen können

Bei einem betreuten Grundsicherungsempfänger waren im Rahmen der Kosten der Unterkunft und Heizung (kdU) "kalte" Betriebskostenvorauszahlungen strittig. Die Berufsbetreuerin hatte die Mietbescheinigung vorgelegt, die eine bestimmte monatliche Brutto-Kaltmiete einschließlich der BK-Vorauszahlung in Höhe von € 96,68 enthielt. Der Leistungssachbearbeiter beim Sozialamt fasste die Brutto-Kaltmiete aber als Netto-Kaltmiete auf und setzte die Betriebskostenvorauszahlung zusätzlich fest. Dies wurde erst nach einem Jahr entdeckt. Die Klage gegen die Rückforderung der überzahlten Summe (1.160,16 €) wies das Sozialgericht Karlsruhe mit Urteil vom 27.08. 2009 (S 1 SO 182/09) mit der Begründung ab, die Berufsbetreuerin habe die Überzahlung grobfahrlässig nicht erkannt.

Fotolia_aktenAnspruch auf SGB-II-Leistungen für Freigänger und Maßregelvollzugsinsassen mit Vollzugslockerung zur Arbeitssuche

Für erwerbsfähige und bedürftige Insassen von Untersuchungs- und Strafhaft sowie des Maßregelvollzugs geht vom ersten Tag der richterlich angeordneten Freiheitsentziehung die Zuständigkeit für Leistungen zum Lebensunterhalt vom Grundsicherungsträger gem. SGB II auf den Sozialhilfeträger über (Leistungsausschluss gem. § 7 Abs. 4 SGB II). Für die Übernahme der Kosten der Unterkunft (gem. § 67 SGB XII) sowie für ein Taschengeld wird der Sozialhilfeträger (am Ort der letzten Unterkunft vor Inhaftierung) zuständig.

Fotolia_alg2Alg2-Leistungsempfänger müssen Krankenkasse wechseln

Eine Reihe von Krankenkassen haben angekündigt Zusatzbeiträge zu erheben. Grundlage ist die zum 01. Januar 2009 in Kraft getretene Gesundheitsreform. Das sogenannte GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz ermöglicht es den Krankenkassen ohne individuelle Einkommensprüfung zusätzlich einen kassenindividuellen, monatlichen Betrag von bis zu 8 Euro zu erheben.

Fotolia_stempel_abgelehntKeine Pflicht zum Folgeantrag auf Grundsicherung im Alter und bei voller Erwerbsminderung. Bundessozialgericht beschränkt Mitwirkungspflichten auf Änderung der Verhältnisse

Grundsicherungsberechtigte und ihre Betreuer müssen eine Fortzahlung nicht eigens beantragen. Nach dem notwendigen Erstantrag ist regelmäßig nur ein zum Beginn des neuen Bewilligungsabschnittes (1.7. eines Jahres) ergangener Rentenbescheid vorzulegen. Das Bundessozialgericht hat in seinem Urteil vom 29.9.2009 (B 8 SO 13/08 R) zwar ein Anwendungsproblem des Grundsicherungsgesetzes aus dem Jahr 2004 entschieden. Weil aber die angewandten Regelungen insofern inhaltsgleich ins 4. Kapitel des SGB XII übernommen wurden, gelten die Feststellungen auch im SGB XII.

Höhere Pflegestufe immer gleichzeitig bei Pflegekasse und Sozialamt beantragen

Betreuer, die für ihre pflegebedürftigen Klienten eine höhere Pflegestufe nur bei der Pflegekasse beantragen, laufen Gefahr, für die erst später einsetzende Zahlung des Sozialamtes haften zu müssen. Daher sollte der an die Pflegekasse gerichtete Antrag auf eine höhere Pflegestufenfeststellung immer gleichzeitig auch an das Sozialamt gesandt werden, wenn aufstockende Leistungen der Hilfe zu Pflege (HzP) gem. §§ 61 ff. SGB XI gewährt werden.