27 April 2017

Berufsbetreuer arbeiten durchschnittlich 4,1 Stunden monatlich an einem Fall

Der zweite Zwischenbericht der Erhebung zur Qualität im Betreuungswesen im Auftrag des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz zeigt, dass ein Großteil der Berufsbetreuer den tatsächlichen Zeitaufwand höher einschätzt als den vergüteten.

93 Prozent der befragten Betreuer gaben an, dass der tatsächliche Zeitaufwand höher ist als der vergütete. Sechs Prozent gaben an, dass der vergütete dem tatsächlichen Zeitaufwand entspricht. 34 Prozent der befragten Vereins- und Berufsbetreuer befanden, dass der tatsächliche Aufwand 30 bis 40 Prozent höher ist, als dass, was vergütet wird. 24 Prozent waren zu der Ansicht, dass ihr Arbeitsaufwand 20 bis 30 Prozent über dem vergüteten Arbeitsaufwand liegt.

 Der Mittelwert des tatsächlichen Zeitaufwands liegt nach der Auswertung der Befragungen bei 4,1 Stunden, der derzeit vergütete Aufwand bei 3,3 Stunden pro Betreuung.

Teilgenommen an der vom Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik durchgeführten Zeitbudgeterhebung haben 215 Betreuer – davon 49 Prozent Vereinsbetreuer und 51 Prozent Berufsbetreuer –, die den Zeitaufwand für 7910 laufende Betreuungsfälle jeweils einen Monat lang dokumentiert haben.

Ein weiteres Problem, das durch die Befragung deutlich wurde, ist, dass der Stundenansatz bei der Übernahme von bestehenden Betreuungen in der Regel nicht ausreicht. 72 Prozent der befragten Betreuer haben angegeben, dass die Stunden meistens nicht oder nie ausreichen. Nur für sieben Prozent der Befragten ist der Stundenansatz ausreichend.

Bemerkenswert ist, dass 80 Prozent der Befragten angegeben haben, dass der Zeitaufwand bei der Übernahme von Fällen von ehrenamtlichen Betreuern deutlich höher sei als bei der Fortführung eines eigenen Falls oder etwa so hoch wie bei einer Erstbestellung. Bei der Übernahme von Fällen von Berufsbetreuern war dies bei  58 Prozent der Fall.

Außerdem gibt es einen relevanten Unterschied beim Zeitaufwand abhängig davon, ob die Betreuten im oder außerhalb des Heimes leben. So erfordern Betreute, die außerhalb von Heimen leben (62 Prozent der angegebenen Fälle) im Durchschnitt 1,2 Stunden mehr pro Monat mehr an Zeitaufwand als Betreute, die in Heimen leben (38 Prozent der Fälle). Das Zeitbudget für Betreute im Heim beträgt monatlich 3,3 Stunden, im Privathaushalt 4,5 Stunden
Auch für vermögende Betreute (12 Prozent) ist der Zeitaufwand monatlich durchschnittlich 1,3 Stunden höher als für mittellose Betreute. Für mittellose Betreute liegt die Betreuungszeit monatlich bei 3,9 Stunden, bei vermögenden Betreuten bei 5,2 Stunden. Anteilig zum derzeitigen Stundenansatz wird der Zeitaufwand um zehn bis 15 Prozent unterschätzt.

Die Erhebung des ISG hat zudem ergeben, dass bestimmte Tätigkeiten einen wesentlich höheren Zeitaufwand erfordern als andere. Ein Viertel der dokumentierten Tätigkeitsbereiche macht den telefonischen und persönlichen Kontakt mit den Betreuten aus, ein knappes Viertel der Zeit wird beansprucht durch Kontakt mit Bezugspersonen und Behörden. Zudem spielt die Distanz zu den Betreuten eine Rolle, bei über fünf Kilometern Entfernung ist der Zeitaufwand ebenfalls höher.