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	<title>Kolumne: Beiträge für Berufsbetreuer | BtDirekt</title>
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	<description>Online-Zeitschrift des BVfB</description>
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	<title>Kolumne: Beiträge für Berufsbetreuer | BtDirekt</title>
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		<title>Video killed the radio star!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herr Ähm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Nov 2020 09:18:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ja, ja die guten alten Achtziger: Sänger mit unglaublich peinlichen Frisuren, Glitzerkostümen und viel zu großen Brillen flimmerten über MTV. Die ZDF-Hitparade war endlich besiegt, Formel 1 und der Synthesizer eroberten die deutschen Hobbykeller und eine von den Bands, die schon fast wieder verschwunden war, bevor man sie wahrgenommen hatte, landete mit Video killed the [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ja, ja die guten alten Achtziger: Sänger mit unglaublich peinlichen Frisuren, Glitzerkostümen und viel zu großen Brillen flimmerten über MTV. Die ZDF-Hitparade war endlich besiegt, Formel 1 und der Synthesizer eroberten die deutschen Hobbykeller und eine von den Bands, die schon fast wieder verschwunden war, bevor man sie wahrgenommen hatte, landete mit Video killed the radio star! einen Riesenhit, darin die Zeile: „<em>We can`t rewind we`ve gone too far&#8220;</em>! Wenn die gewusst hätten, was noch alles kommt …! Nix da Video, MP3-Player, Internet, Smartphone, Podcast, Streamen und VPN-Verschlüsselung, da guckste, wa!</p>
<p>Für den Normalbürger alles noch irgendwie zu verkraften, aber was macht das mit einem armen, kleinen Betreuerlein!</p>
<p><span id="more-1294"></span></p>
<p>Der Stromanbieter von Frau W. schickt mir eine Mail und meint, es wäre doch ganz klasse, dass ich jetzt alles online erledigen könne. Ein paar Klicks und ein Passwort und schon gehört die Zukunft mir. Zwei Minuten später erfahre ich von dem Mobilfunkanbieter von Herrn M., ich könne &#8211; gemeint ist müsse &#8211; mich jetzt endlich im Kundencenter anmelden. Na klar, da hatte ich ja schon seit Wochen drauf gewartet. Ein bisschen Online-Banking gefällig: SMS-TAN, Chip-TAN oder lieber Photo-TAN Verfahren inklusive Pushfunktion, klingt irgendwie geil. Seit Neuestem darf ich auch eine persönliche Wunsch-PIN wählen. Ich habe schon 40! Das passt doch zum Selbstbestimmungsrecht. Alles kann ich wählen, ob ich will oder nicht. Ich fühle mich so frei. Nur der Dispo, ja der Dispo muss natürlich gekündigt werden, schließlich gibt es ja jetzt einen Betreuer und das ist per se eine Gefahr.</p>
<p>Inzwischen hänge ich in der Warteschleife vom Bürgertelefon. Ich träume schon nachts von der Melodie. Die hätten wenigstens „<em>Video killed the radio star</em>&#8222;! auswählen können. Ich finde Betreuer müssten das Recht bekommen, sich Melodien für die Warteschleifen bei den Ämtern zu wünschen. Natürlich bei jedem Amt eine eigene Melodie für jeden Betreuer. Dann hätten die auch mal eine schöne Aufgabe. Endlich komme ich dran und trage artig mein Anliegen vor. Das Telefonat endet ungelogen (!) wie folgt:</p>
<p>Ich: „An wen kann ich mich denn jetzt wenden?“<br />
Antwort: „An Niemanden!“</p>
<p>Ich verwalte jetzt 300 Passwörter, ja, ja ich weiß auch dafür gibt es eine Passwortverwaltungssoftware; aber was ist eigentlich, wenn ich das Alles gar nicht will! Ich liebe Papier, bin etwas verträumt und mag es etwas langsamer, ist besser für die Seele. Vor einer Woche habe ich mir eine neue Brille gekauft. Die Optikerin sagt: „Sie wissen aber schon dass die retro ist.“ Ich antworte: „Ich bin retro!“</p>
<p>Ach so, zurück zu Video killed the radio star! The Buggles hießen die Jungs (bitte unbedingt noch einmal ansehen). Die gesamte Band bedarf dringend rechtlicher Betreuung. Die Kerle dürften auf die 70 zugehen. Von wegen Video! In jeder Cloud wären die Knaben doch hoffnungslos verloren. Ganz zu schweigen von EGVP-Zugängen. Ab ins Heim!</p>
<p>Icke mach jetze ma weiter und hol meine Post aus‘m Briefkasten. Analog fand ich schon immer besser! Da weiß man was man hat und die letzten 10 Jahre ohne Digitalisierung halte ich schon irgendwie durch. Da pfeif ich mir lieber noch mal die 80’er rein: Wie wär`s mit Bronski Beat oder Sweet dreams von Eurythmics!, schon fast vergessen, aber irgendwie poppen ein paar Erinnerungen in meiner Cloud auf. Big in Japan, ich krieg die Dinger einfach aus meinem Kopf nicht raus, nur die Frisuren, die nehm ich euch bis heute übel.</p>
<p>Ähm, don`t you forget about me!</p>
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		<title>Herr Ähm &#8230; Der Suppenkasper</title>
		<link>https://btdirekt.de/archiv/kolumne/herr-aehm-der-suppenkasper/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Herr Ähm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2020 11:54:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Früher, als ich klein war, gab es ein Buch. Das Buch hieß: „Der Struwwelpeter“. Natürlich gibt es das Buch immer noch. Es gilt aber als pädagogisch äußerst fragwürdig und wird Kindern eher selten vorgelesen; kein Wunder, werden darin doch dem armen Konrad die Daumen mit der Schere abgeschnitten, weil er andauernd an ihnen lutscht und [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Früher, als ich klein war, gab es ein Buch. Das Buch hieß: „Der Struwwelpeter“. Natürlich gibt es das Buch immer noch. Es gilt aber als pädagogisch äußerst fragwürdig und wird Kindern eher selten vorgelesen; kein Wunder, werden darin doch dem armen Konrad die Daumen mit der Schere abgeschnitten, weil er andauernd an ihnen lutscht und Paulinchen verbrennt zu einem Häufchen Asche, weil es unerlaubterweise mit den Zündhölzern gespielt hat. Harter Tobac, aber das Buch stammt auch aus dem Jahr 1844; also aus einer Zeit zu der man noch Neger sagen durfte. Geht heute ja auch nicht mehr.</p>
<p>Seit ich Betreuer bin, kommt mir das Buch immer wieder in den Sinn; vor allem der Suppenkasper hat es mir angetan.</p>
<p><span id="more-1283"></span></p>
<p>In der kurzen Geschichte verweigert ein Junge beharrlich die Nahrungsaufnahme, solange bis er gar wie ein Fädchen war und schließlich das Zeitliche segnet. „Nein, meine Suppe ess&#8216; ich nicht!“ lautet der wiederkehrende Satz. Heute würde man den Suppenkasper wahrscheinlich Systemsprenger nennen, also ein Typ, der nicht ins Schema passt und äußerst bockig daherkommt. Vielleicht denken Sie jetzt, ich spiele auf die Krankheitsbilder der Betreuten an, aber weit gefehlt. Nein, ich selbst werde langsam zum Suppenkasper:</p>
<p>So soll ich beispielsweise in seitenlange Formulare kleine Zahlen und Kreuzchen in zu kleine Kästchen machen. Ich erwische mich dabei, einfach größer zu schreiben und dadurch meinen stillen Protest über den unzureichenden Platz zum Ausdruck zu bringen. Für Herrn N., der seinen Arbeitsvertrag ohne mein Wissen zum 31.01.2020 gekündigt hatte, was nicht clever war, und der am 06.02.2020 ein neues Arbeitsverhältnis begründet hat, sollen nun Leistungen nach dem SGB II für den Zeitraum von 01.02. bis 05.02.2020 beantragt werden. „Nein, meine Suppe ess&#8216; ich nicht!“ fährt es mir durch den Kopf. Neulich war ich dann kurz vor der Totalverweigerung. Beleg 17 für die Überweisung der im Monat Februar zu entrichtenden Rate für die Haftpflichtversicherung (5,70 €) von Herrn S. fehlte in der Jahresabrechnung, was umgehend von der gründlichen „Korinthenkackerrechtspflegerin“ angemahnt wurde. „Nein, meine Su…!“ Störrisch warf ich einen Leitzordner in die Ecke.</p>
<p>Besonders schlimm ist es natürlich, wenn der ein oder andere Suppenkasper unter den Betreuten auftaucht. Die Ungerechtigkeit besteht darin, dass es bei ihm eine Krankheit ist; bei mir (noch) nicht. Mein Lieblingsbetreuter &#8211; nennen wir ihn Herr K. &#8211; ist leider seit fast 5 Monaten geschlossen untergebracht und ich suche zusammen mit dem sogenannten Entlassungsmanagement &#8211; was ist das eigentlich? &#8211; und dem Ärzteteam nach einer geeigneten Wohnmöglichkeit: Therapeutische Wohngemeinschaft, eigene Wohnung oder doch eine geschlossene Einrichtung der Eingliederungshilfe in Bayern oder Schleswig-Holstein, weil der Berliner Senat aus falschverstandener Liberalität nicht in der Lage ist, sich um die Schwächsten in der Gesellschaft zu kümmern? Herr K. fühlt sich inzwischen aber ganz wohl im Krankenhaus und verweigert einen Umzug. „Nein, meine Suppe ess&#8216; ich nicht!“ Nach einstündiger Helferkonferenz steigt er auf den Tisch und verlässt den Raum. Danach schiebt er einen Zettel unter der Tür hindurch, auf dem der grandiose Satz (literaturnobelpreisverdächtig!) zu lesen ist: „Ich verzichte auf Haustiere sämtlicher couleur und beantrage eine Pflanze!“ Bekanntlich ist es meine Aufgabe, dem Willen des Betreuten nach Möglichkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Herr K. „wohnt“ jetzt immer noch im Krankenhaus und hat eine Pflanze. Gestern hat er das erste Mal gesagt, dass er vielleicht doch jetzt lieber freiwillig in eine Wohngemeinschaft umziehen möchte. Vielleicht ist es doch ganz gut, dass die Struwwelpeterzeit vorbei ist, denke ich. Irgendwann fängt der Suppenkasper schon wieder von sich aus an zu essen. Aber was wird aus mir? Solange ich Betreuer bin, werde ich immer auch ein bisschen der Suppenkasper bleiben und es ist ja auch ganz gut, sich nicht zu ernst zu nehmen!</p>
<p>Beste Grüße von Herrn Ähm!</p>
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		<item>
		<title>Herr Ähm &#8230; wird Berufsbetreuer!</title>
		<link>https://btdirekt.de/archiv/kolumne/neu-herr-aehm-wird-berufsbetreuer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Herr Ähm]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Feb 2020 16:06:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Herr Ähm &#8230; wird Berufsbetreuer! „Also eigentlich ist das alles ganz einfach“, sagte mir eine Freundin: „Man schreibt eine Bewerbung an die Betreuungsbehörde, wird zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen und nach einer Prüfung schlägt die Behörde einen als Betreuer vor; und &#8211; wenn es gut läuft &#8211; wird man vom Gericht nach ein paar ehrenamtlich geführten [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span style="color: #ff0000;"><span style="color: #000000;">Herr Ähm &#8230; wird Berufsbetreuer!</span></span></strong></p>
<p>„Also eigentlich ist das alles ganz einfach“, sagte mir eine Freundin: „Man schreibt eine Bewerbung an die Betreuungsbehörde, wird zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen und nach einer Prüfung schlägt die Behörde einen als Betreuer vor; und &#8211; wenn es gut läuft &#8211; wird man vom Gericht nach ein paar ehrenamtlich geführten Betreuungen zum Berufsbetreuer bestellt“. Klingt machbar, denke ich.</p>
<p>Ich greife also zum Telefonhörer und rufe bei den Betreuungsbehörden in meinem Bezirk und in der Umgebung an. „Guten Tag Herr Ähm., Berufsbetreuer? (Untertext: Sind Sie des Wahnsinns) &#8211; nein kein Bedarf (Untertext: Stören Sie nicht, wir haben Wichtigeres zu tun), melden Sie sich doch in ein paar Monaten noch einmal (Untertext: Vielleicht kann man den später noch gebrauchen)“. Nächster Versuch: „Ja, dann schicken Sie doch mal ein paar Unterlagen, Bewerbungsschreiben, Führungszeugnis und so weiter…!“ Motiviert durch den Strohhalm, den man mir reicht, stelle ich eine Bewerbungsmappe zusammen, lasse schicke Bewerbungsfotos machen und suche Zeugnisse über meine Qualifikationen und Berufserfahrung zusammen; die ich an den Behördenmenschen schicke. Der Ladendiebstahl, den ich mit 16 nicht gerade nüchtern begangen habe, steht zum Glück in keinem Register und das Praktikum als Gabelstapelfahrer soll ich besser weglassen, meint meine Freundin. Das interessiere die Behörde nicht und manchmal würden sich da etwas komische Leute als Berufsbetreuer bewerben. Komisch, denke ich, komisch bin ich doch auch, aber das sollen die besser nicht wissen.</p>
<p>  <span id="more-1277"></span>  </p>
<p>Danach: Schweigen im Walde! Geschlagene 8 Monate keine Reaktion, trotz mehrerer Anrufe und Schreiben, in denen ich mich höflich nach dem Sachstand erkundige. Dann plötzlich geschieht das Unerwartete: Ich sitze mal wieder wegen irgendeines Feuerwehreinsatzes in der U-Bahn fest, als mir mein Handy „Spiel mir das Lied vom Tod“ ins Ohr säuselt. Passt irgendwie, denke ich! Unbekannte Nummer!? Schlechtes Zeichen! Ich gehe trotzdem ran. „Guten Tag Herr Ähm. Wollen Sie noch Betreuungen.“ „Ähm, ja!“ „Kommen sie doch mal am Donnerstag vorbei. Ja, 11:00 Uhr, wäre schön, wenn Sie Zeit hätten.“ Wieso ist der auf einmal so freundlich, denke ich; zumal es der Typ von der ersten Behörde ist, die nichts von mir wissen wollte.</p>
<p>Donnerstagvormittag: Was soll ich anziehen? Ist das jetzt ein Bewerbungsgespräch oder gehe ich zu einer Prüfung? Ich habe keine Ahnung und entscheide mich für die neue Jeans und den etwas nichtssagenden Rollkragenpullover. Das geht immer. Der Typ von der Behörde ist immer noch freundlich, bietet mir sogar eine Tasse Kaffee an. Wir plaudern ein wenig über dies und das. Warum ich denn Betreuer werden möchte und was ich bislang so gemacht hätte. Mensch hat der eine Menschenkenntnis, denke ich. Ja, etwas türkisch kann ich auch, dank des Volkshochschulkurses und meiner türkischen Nachbarn im Haus. Englisch, ja natürlich, habe ich in der Schule gelernt und ich war auch mal drei Monate in London. Toll, was ich alles so gemacht habe, denke ich. Jura habe ich auch studiert und später habe ich mich ehrenamtlich in der Obdachlosenhilfe engagiert. Ich werfe alles in die Waagschale und finde das alles etwas peinlich. „Sieht doch ganz gut aus, wir melden uns dann bei Ihnen, wegen des Prüfungstermins“, verabschiedet er mich.</p>
<p>Prüfung? Ja Prüfung! Worüber eigentlich? Ich frage wieder meine Freundin: „Das weiß keiner so genau“, meint sie. „Guck dir mal die §§ 1896 ff. im BGB an und lern mal etwas Sozialrecht“. Aha! Etwas Sozialrecht! Aus dem Studium weiß ich immerhin, dass es dreizehn Sozialgesetzbücher gibt, die jeder Student hasst, wenn er denn überhaupt jemals da reingeguckt hat und die nicht gerade angenehm zu lesen sind. Nicht nur sprödes Juristendeutsch, sondern Paragraphen, die sich über mehrere Seiten hinziehen und gerne vom Gesetzgeber geändert werden, um eine sogenannte Reform umzusetzen, bei der es tatsächlich um Geld geht, was man als Otto-Normalverbraucher aber erst verstanden hat, wenn es zu spät ist.</p>
<p>Ich laufe also in die Bibliothek und leihe mir ein Standardwerk mit dem verheißungsvollen Titel: „Einführung in das Sozialrecht“ aus. Ich liebe Bücher mit solchen Titeln. Sie sind in der Regel relativ dünn und geben einem irgendwie das Gefühl, nach ihrer Lektüre einen Überblick zu haben. Dass das nicht stimmt, merkt man immer erst später, weil man kein praktisches Problem mit ihnen lösen kann. „So what!“ denke ich und beginne zu lesen. Nach 10 Seiten wird mir so langweilig, dass ich zum Kicker greife und die Torschützenliste noch einmal durchgehe. Lewandowski hat schon fünfzehnmal getroffen, irre! Abends gehe ich ins Kino und treffe noch ein paar Freunde.</p>
<p>Zwei Wochen später musiziert mir wieder mein Smartphone die bekannte Melodie ins Ohr; der Behördenmensch ist dran: „Ja, Sie könnten dann anfangen, Herr Ähm. Ich hätte da auch schon zwei Fälle für Sie!“ Was denn mit der Prüfung sei, will ich wissen. Ja, man habe vergessen mich einzuladen, aber ich hätte ja Jura studiert. Wenn die wüssten, denke ich!</p>
<p>Gut, so wurde ich also etwas unerwartet und plötzlich Berufsbetreuer, ohne im Geringsten zu wissen, was auf mich zukommt. Seitdem bekomme ich ungewöhnlich viel Post, was ich am Anfang noch recht interessant fand (Ich bin wichtig!). Inzwischen habe ich allerdings eine ausgeprägte Postphobie entwickelt und traue mich nur noch in Begleitung an meinen Briefkasten.</p>
<p>Noch ein Wort zum Schluss: Nein, ich gendere nicht in meinen Kolumnen und ich bin auch politisch unkorrekt! Denn ich habe leider jetzt keine Zeit mehr für so etwas: Bei Frau M. steht das Bad unter Wasser, Herr S. hat wieder Besuch vom Geheimdienst und sein Wohnzimmer ist verwanzt, Herr B. hat zum dritten Mal in diesem Monat seinen Hausschüssel verschlampt und vor mir liegt ein Stapel ungeöffneter Post! Ja, ich habe jetzt alle Hände voll damit zu tun, normal zu bleiben! Normal? Früher gab es dieses Wort für mich nicht. Jeder kann doch machen, was er will, dachte ich in meiner grenzenlosen Naivität. Ich sehe das jetzt etwas anders!</p>
<p>Ach, und noch etwas: Schöne Grüße von meiner Freundin, der ich diesen Job verdanke. Ich melde mich dann wieder, wenn ich etwas Zeit (ha,ha!) habe …</p>
<p>Euer Herr Ähm!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Frau Eff… und der Umzug mit Zuständigkeitslücken</title>
		<link>https://btdirekt.de/archiv/kolumne/frau-eff-und-der-umzug-mit-zustaendigkeitsluecken/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Frau Eff]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Nov 2014 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frau Eff, Berufsbetreuerin… und der Umzug mit Zuständigkeitslücken Die geistig und seelisch behinderte Frau G. hat es geschafft: Sie ist schwanger, obwohl ein Säugling wirklich nicht die sinnvollste Idee ist, die ihrem Umfeld zu ihrem chaotischen Leben einfällt. Nun, der Murkel in ihrem Baum ist auch mit den besten Argumenten nicht wegzudiskutieren, also müssen pragmatische [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frau Eff, Berufsbetreuerin… und der Umzug mit Zuständigkeitslücken</strong></p>
<p>Die geistig und seelisch behinderte Frau G. hat es geschafft: Sie ist schwanger, obwohl ein Säugling wirklich nicht die sinnvollste Idee ist, die ihrem Umfeld zu ihrem chaotischen Leben einfällt. Nun, der Murkel in ihrem Baum ist auch mit den besten Argumenten nicht wegzudiskutieren, also müssen pragmatische Lösungen her. Das Jugendamt stellt die Bedingung, dass die junge Frau aus ihrer eigenen Wohnung in eine Mutter-Kind-Einrichtung umziehen müsse. Inhaltlich ist dies nachvollziehbar, auch wenn die Einrichtung 80 Kilometer vom Wohnort der Frau G. entfernt liegt. Praktisch fangen hier die Probleme an, und zwar ganz unmittelbar.</p>
<p>Selbstverständlich kann man Frau G. nicht zumuten, dem Umzug ins Mutter-Kind-Heim zuzustimmen, ohne sich die Räumlichkeiten dort einmal angeschaut zu haben.</p>
<p><span id="more-1142"></span></p>
<p>Alleine würde Frau G. den Weg dorthin nie finden. Die Mitarbeiterin des Jugendamtes lacht laut auf, als ich sie frage, ob sie Frau G. bei der Besichtigung begleiten kann. Ambulant betreutes Wohnen gibt es in diesem Fall nicht. Angehörige oder nicht-behinderte Freunde auch nicht. Also muss Frau Eff mit der Betreuten die Einrichtung besichtigen. Das ist schon deshalb eine schöne Aussicht auf einen netten Tagesausflug, weil Frau G. bereits anfängt zu kotzen, wenn man den Zündschlüssel im Auto umdreht.</p>
<p>Mehr aus Mangel an Alternativen denn aus wirklicher Einsicht stimmt Frau G. nach der Besichtigung dem Umzug zu, der Heimvertrag wird unterschrieben. Erst dann kann und muss ich bei Gericht die Auflösung der Wohnung beantragen. Da inzwischen viel Zeit vergangen ist, liegt das Ende der gesetzlichen Kündigungsfrist weit hinter dem errechneten Entbindungstermin. Ein Antrag beim Sozialamt auf Weiterzahlung der Miete für drei Monate bringt erneut einen Sachbearbeiter zum Lachen. Dafür sei man nicht zuständig. Sobald die überörtliche Eingliederungshilfe den Platz der Frau im Mutter-Kind-Heim bezahle, sei die örtliche Sozialhilfe „raus aus dem Spiel“, Mietvertrag hin oder her. Da wird sich der Vermieter aber freuen.</p>
<p>Wie so oft bei meinen Klientinnen kommt das Kind erheblich zu früh auf die Welt, der Umzug in die Einrichtung muss also flott über die Bühne gebracht werden. Frau G. ist eigentlich schon damit überfordert, das Kind zu tragen. Wie nun zusätzlich auch ihre Kleidung, ihre persönlichen Gegenstände, ein paar kleine Möbelstücke und der lebenswichtige Fernseher ins Mutter-Kind-Heim kommen sollen, ist mir ein Rätsel. Ein entsprechender Antrag auf Hilfskräfte und ein Transportfahrzeug wird vom Sozialamt abgelehnt. Durch den längeren Aufenthalt auf der Entbindungsstation hat Frau G. ein paar Euro eingespart, so dass ich ein, zwei zahnlose Wegelagerer beauftragen kann, den Kram in ihrem alten Lada zu meiner Betreuten ins Heim zu transportieren. Ich fahre mit Frau G. und ihrem quäkenden Bündel hinterher. Als ich die düsteren Gesellen bitte, mir eine Quittung zu unterschreiben, lachen sie mich aus.</p>
<p>Nachdem ich dem Vermieter mitgeteilt habe, dass er ab sofort keine Miete mehr bekommt, zum Ausgleich aber eine renovierungsbedürftige und mit Sperrmüll vollgestellte Wohnung behalten darf, hat er nicht gelacht. Zum Glück ist er kein Rechthaber, sondern ein pragmatischer Mensch. Wir haben folgenden Deal geschlossen: Ich finde ihm über meine Betreuerkollegen einen Nachmieter, dafür verspreche ich, dass der Nachmieter die Bude leerräumt und neu anstreicht. Da bei uns in der Region sozialhilfefähige Einraumwohnungen Mangelware sind, bin ich zuversichtlich, dass ich hier nicht zu viel versprochen habe. So kommt es denn auch, und alle sind einigermaßen zufrieden.</p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Frau Eff… und die Besuchshäufigkeit</title>
		<link>https://btdirekt.de/archiv/kolumne/frau-eff-und-die-besuchshaeufigkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Frau Eff]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Oct 2014 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://kunden.it-lsg-reimann.de/kolumne/frau-eff-und-die-besuchshaeufigkeit/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Frau Eff, Berufsbetreuerin… und die Besuchshäufigkeit Es gibt bei einigen besonders eifrigen Rechtspflegern den Wunsch, die selbstgerechten Berufsbetreuer an die kürzere Leine zu nehmen. Während man als dienstbeflissener Rechtspfleger, eingesperrt im engen Büro, im Kreuzfeuer der Akten, Gesetze und dem nicht enden wollenden Strom des Publikumsverkehrs steht, machen die rechtlichen Betreuer draußen, was sie wollen. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://btdirekt.de/archiv/kolumne/frau-eff-und-die-besuchshaeufigkeit/">Frau Eff… und die Besuchshäufigkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://btdirekt.de">BtDirekt | Themen für Berufsbetreuer</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frau Eff, Berufsbetreuerin… und die Besuchshäufigkeit</strong></p>
<p>Es gibt bei einigen besonders eifrigen Rechtspflegern den Wunsch, die selbstgerechten Berufsbetreuer an die kürzere Leine zu nehmen. Während man als dienstbeflissener Rechtspfleger, eingesperrt im engen Büro, im Kreuzfeuer der Akten, Gesetze und dem nicht enden wollenden Strom des Publikumsverkehrs steht, machen die rechtlichen Betreuer draußen, was sie wollen. Völlig ohne Chef und Kontrolle, ständig den Versuchungen von Eiscafés und Müßiggang ausgesetzt, mogeln sie sich durch ihr Berufsleben und vernachlässigen ihre Pflichten.</p>
<p>So kam die Regelung des § 1793 BGB, wonach der Vormund den Mündel &#8222;in der Regel&#8220; einmal im Monat in dessen üblicher Umgebung aufzusuchen hat, ganz gelegen. Ohne eine tatsächliche Rechtsgrundlage wird diese Vorschrift von einigen Gerichten auf das Betreuungsrecht übertragen und vom Betreuer ein Nachweis seiner Besuchshäufigkeit bei seinen Klienten gefordert.</p>
<p><span id="more-1141"></span></p>
<p>Auch das schöne BS25-Formular für den Jahresbericht fragt ab, wie oft man den Betreuten gesehen hat und wann der letzte persönliche Kontakt stattgefunden hat. Die mit der pauschalen Vergütung abgeschaffte Dokumentationspflicht der Besuchshäufigkeit wird somit durch die Hintertüre wieder eingeführt.</p>
<p>Ich halte dies für einen völlig sinnlosen Versuch, etwas zu kontrollieren, was man nicht kontrollieren kann. Die Häufigkeit meiner Kontakte mit den Betreuten sagt nichts über die Qualität meiner Arbeit aus. Auch bei persönlichen Besuchen kann ich die Situation und das Gespräch so manipulieren, dass daraus für mich kein Handlungsbedarf entsteht. Einrichtungen, Angehörige und auch die Betreuten selbst sind vielleicht froh, wenn der Betreuer regelmäßig zu Besuch kommt. Aber ein nettes, unverbindliches Zusammensein ist weder Ziel noch Zweck einer rechtlichen Betreuung. Meine Besuche sind jeweils anlassbezogen, und auch nicht immer eine Freude für den Klienten. Ich erinnere nämlich an getroffene Absprachen, ermahne zum Sparen, kritisiere die Haushaltsführung, meckere über neue Haustiere, erinnere an Arztbesuche, schleppe Pflegedienste ins Haus und verbiete im Winter dauerhaft gekippte Fenster. Bei einigen meiner Klienten bin ich so ungerne gesehen, dass der persönliche Kontakt nur widerwillig geduldet wird.</p>
<p>Der junge Betreute, der mehrmals wöchentlich von Mitarbeitern des ambulant betreuten Wohnens aufgesucht wird und zu diesen ein super Verhältnis hat, sitzt immer ganz eingeschüchtert auf dem Küchenstuhl, wenn Frau Eff kommt. Ich bin für ihn eine Autorität, auch wenn ich mir Mühe gebe, dem 19-jährigen Schlunz locker zu begegnen. Wir reden über die wichtigen Dinge, Handyvertrag, Geld für Urlaub, Beschwerden der Nachbarn wegen Lärm, und der junge Mann ist heilfroh, wenn die Türe hinter mir zufällt.<br />
Einen anderen Betreuten habe ich seit vier oder fünf Jahren nicht mehr gesehen. Er lebt in einer geschlossen Heimgruppe und teilt die Menschen in „Machtmenschen“ und „Normale“ ein. „Machtmenschen sind Ärzte, der Heimleiter, Therapeuten, Richter und Betreuer. Wenn die kommen, zieht er sich nackt aus, schmiert seinen Kot auf den Fußboden, die Wände und auf sich selbst und wartet unter der Heizung liegend darauf, dass die endlich verschwinden. Mit den „Normalen“ redet er ganz normal.</p>
<p>Eine andere Betreute hat eine Sozialphobie und spricht grundsätzlich lieber nicht mit Menschen. Sie schreibt aber gerne und wir sind im regen E-Mail-Kontakt. Über die Kommunikationsform können wir so gut wie alle betreuungsrelevanten Dinge klären. Die Betreute wünscht dies ausdrücklich so und müsste zu persönlichen Besuchen genötigt werden.</p>
<p>Soll ich diese drei also mit einem Besuch pro Monat quälen? Oder ist es nicht vielleicht doch besser, dass ich im Hintergrund arbeite, ihnen die Existenz sichere und die Dinge abnehme, die sie behinderungsbedingt nicht alleine leisten können. Ich bin niemand, der sich vor einem Hausbesuch drückt. Es gibt Betreute, bei denen ich phasenweise mehrmals pro Woche bin. Aber ich fange nicht an, mich den Leuten aufzudrängen oder ihnen mit einer halben Stunde Geselligkeit zu suggerieren, dass rechtliche Betreuer Freundschaften ersetzen.</p>
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		<title>Frau Eff… und die finanziellen Verhältnisse</title>
		<link>https://btdirekt.de/archiv/kolumne/frau-eff-und-die-finanziellen-verhaeltnisse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Frau Eff]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Sep 2014 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frau Eff, Berufsbetreuerin… und die finanziellen Verhältnisse Wie in vielen Betreuungsfällen, muss Frau Eff auch bei Herrn K. nicht nur die aktuellen Ausgaben im Blick behalten, sondern auch die zukünftigen. Das ist nicht einfach, weil das Gericht keinen Einwilligungsvorbehalt angeordnet hat und das Konto von Herrn K. selten ein größeres Guthaben aufweist. Mit großem Glück [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frau Eff, Berufsbetreuerin… und die finanziellen Verhältnisse</strong></p>
<p>Wie in vielen Betreuungsfällen, muss Frau Eff auch bei Herrn K. nicht nur die aktuellen Ausgaben im Blick behalten, sondern auch die zukünftigen. Das ist nicht einfach, weil das Gericht keinen Einwilligungsvorbehalt angeordnet hat und das Konto von Herrn K. selten ein größeres Guthaben aufweist.</p>
<p>Mit großem Glück hat Herr K. zusätzlich zur kleinen Erwerbsminderungsrente einen sogenannten Mini-Job ergattert und freut sich wie ein Schneekönig, nun endlich mal etwas mehr Geld zur Verfügung zu haben. Die nervige Frau Eff trübt seine Freude, indem sie andauernd daran erinnert, dass er sich selbst krankenversichern muss. Alle für die Beitragsberechnung notwendigen Unterlagen sind bei der Krankenversicherung eingereicht, die Berechnung zieht sich aber hin wie Kaugummi. Als endlich der Bescheid über die monatlichen Beiträge in Höhe von 210 Euro kommt, die natürlich auch nachträglich gezahlt werden müssen, sieht es auf Herrn K.s Konto ziemlich mager aus.</p>
<p><span id="more-1140"></span></p>
<p>Zerknirscht gibt Herr K. zu: „Ja, ich weiß, ich habe über meine Verhältnisse gelebt. Endlich mal eigenes Geld, hab‘ ich mir gedacht, endlich mal nicht mehr vom Sozialamt abhängig sein. Da habe ich mir was gegönnt, eine neue Hose, ein Steak, der Hund war beim Frisör, dem ist doch bei der Hitze sonst so warm…“ Es fällt mir nicht schwer, Herrn F. zu verstehen. Tatsächlich ist es so, dass es mir fast unmöglich ist, ihm böse zu sein. Ich habe zwar jetzt den schwarzen Peter und weiß nicht, woher ich schnell mal 210 Euro zaubern soll, aber irgendwie geht davon auch nicht die Welt unter. Es wird mir schon eine Lösung einfallen. In meinem wohlverdienten Feierabend, zählen mein Mann und ich uns gegenseitig auf, was wir in den letzten Tagen Unnötiges gekauft haben, um uns etwas zu gönnen. Kleine, überflüssige Dinge, süße Belohnungen, guilty pleasures: Die teure englische Musikzeitschrift am Bahnhof, das Essen im Restaurant, das schöne T-Shirt, das wir nun wirklich nicht brauchen, die Karten für das Konzert, die Taxifahrt, das Buch, das dann doch nicht so interessant war, das Stück Kuchen kurz vor dem Abendessen, die DVD, zweihundert Fotoabzüge.</p>
<p>Klar, man könnte sagen, dass ich für meinen Luxus hart arbeite und mir das verdient habe. Außerdem stürzen mich meine Ausgaben nicht ins Minus. Herr K. arbeitet aber auch hart. Es ist nicht sein Fehler, dass er behindert ist und damit auf dem deutschen Arbeitsmarkt überflüssig. Es ist auch nicht sein Fehler, dass er Fehler hat. Er kann nicht perfekt sein. Er muss sich mal ausgelassen und maßlos freuen dürfen. Er muss sich mal, ein verdammtes Mal, unvernünftig verhalten dürfen, sonst wird er verrückt. Also noch verrückter, als er sowieso schon ist. Vielleicht ist es auch meine Aufgabe, ihm dabei etwas den Rücken zu stärken, der Krankenversicherung eine Ratenzahlung anzubieten und nicht mit Herrn K. zu schimpfen.</p>
<p>Ich könnte mir schon vorstellen, eine gewisse Zeit mit dem Hartz IV-Satz auszukommen. Es gibt ja genug Journalisten, die das immer mal wieder probieren und dann ein Kochbuch mit kostengünstigen Rezepten herausbringen. Aber ich könnte mir nicht vorstellen, gar kein anderes Leben mehr vor mir zu haben, als das mit 391 Euro im Monat. Die meisten Menschen, die ich betreute, sind so krank oder behindert, dass dies genau ihre Perspektive für die kommenden Jahrzehnte ist. Nichts, gar nichts, auch kein Wunder und kein Lottogewinn wird sie da rausholen. Das ist so, als würde man im Schlaraffenland leben und dürfte nur trockenes Brot essen. Wir Betreuer machen uns vielleicht nicht oft genug klar, was Armut für unsere Klienten bedeutet.</p>
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		<title>Frau Eff… und die Schwierigsten</title>
		<link>https://btdirekt.de/archiv/kolumne/frau-eff-und-die-schwierigsten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Frau Eff]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Sep 2014 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frau Eff, Berufsbetreuerin… und die Schwierigsten Die engagierte Debatte in der psychosozialen Szene über geschlossene Einrichtungen und die Verantwortung gegenüber den schwierigen Klienten wird von Frau Eff aufmerksam verfolgt. Es ist zu beobachten, dass es zwei Lager gibt: Auf der einen Seite die alten Psychohasen in den 68er-Cordhosen, die grundsätzlich gegen geschlossene Heime sind, weil [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frau Eff, Berufsbetreuerin… und die Schwierigsten</strong></p>
<p>Die engagierte Debatte in der psychosozialen Szene über geschlossene Einrichtungen und die Verantwortung gegenüber den schwierigen Klienten wird von Frau Eff aufmerksam verfolgt. Es ist zu beobachten, dass es zwei Lager gibt: Auf der einen Seite die alten Psychohasen in den 68er-Cordhosen, die grundsätzlich gegen geschlossene Heime sind, weil dies nicht ihrem Menschenbild entspricht und alle Reformerfolge aufs Bitterste verraten würde. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die jeden Tag mit schwer gestörten, aggressiven, kranken Menschen zu tun haben. Die haben auch Ideale, die sie nicht verkaufen wollen, müssen aber trotzdem handeln. Sie können diejenigen, die die Forensik noch nicht, und das Wohnheim nicht mehr aufnehmen will, nicht einfach irgendwo in eine Abstellkammer sperren, bis ihnen etwas einfällt. Also sucht man eine geschlossene Einrichtung, in der man nach Möglichkeit nicht selbst arbeiten muss. Sankt-Florian-Prinzip, Sie kennen das.</p>
<p><span id="more-1139"></span></p>
<p>Als rechtliche Betreuer können wir uns wenig gesellschaftspolitische Sozialromantik leisten, was geschlossene Heime angeht. Wir sind es, die von den psychiatrischen Kliniken unter Druck gesetzt werden, endlich eine Bleibe für Herrn X oder Frau Y zu finden, die krankheitsuneinsichtig und massiv eigengefährdend, geistig behindert, psychotisch und fremdaggressiv als sogenannter „Wartefall“ über Monate ein Krankenbett blockieren. Es sind unsere Klienten, denen der Platz im Wohnheim gekündigt wird, weil sie den anderen Bewohnern nicht mehr zugemutet werden können. Es sind die betreuungsrechtlichen Eilfälle, die mit einer Räumungsklage in der Tasche auf unserem Schreibtisch landen.</p>
<p>Jeder Betreuer kennt die Situation, mal wieder Absagen von allen geschlossenen Einrichtungen in der Region zu erhalten. Bis man zu diesem Punkt kommt, muss man erst einmal ermitteln, wo es überhaupt solche Heime gibt. Schon das ist denkbar schwierig. Weil es immer ausreichend Nachfrage gibt, veröffentlich kaum ein Anbieter die Existenz einer geschlossenen Wohngruppe in seinen Publikationen oder im Internet.<br />
Hat man endlich einen freien Platz gefunden, ist es natürlich der Einrichtung vorbehalten, über eine Aufnahme zu entscheiden. Das ist richtig so, nachvollziehbar und wird in der Regel auch mit guten Argumenten durchgeführt. Und genau an diesem Punkt beginnt meine Kritik an allen anderen offenen Einrichtungen.</p>
<p>Frage ich wegen eines Heimplatzes für einen schwierigen Klienten in einer offenen Einrichtung an, tue ich dies immer mit einer ausführlichen, ungeschminkten Schilderung der Problematik. Ich gebe mir auch Mühe, jeweils darzulegen, warum ich mir vorstellen kann, dass man mit Geduld, Humor und Empathie auch ohne geschlossene Türen mit diesem Klienten Fortschritte erarbeiten könnte. Ich zeige Chancen und Möglichkeiten auf. Und was passiert? Trotz freier Plätze bekomme ich eine kurz angebundene Absage. Man ist noch nicht einmal zu einem persönlichen Kennenlernen bereit, hat auch keine Nachfragen, will nicht mit mir sprechen und sieht auch keine Notwendigkeit, die Absage zu begründen. Das ärgert mich, und zwar grundsätzlich. Es empört mich, dass die Träger der Eingliederungshilfe es dulden, dass Anbieter sich ihre „Kunden“ aussuchen können, ohne dies begründen zu müssen, ohne auf ihre Verantwortung, ihren Versorgungsauftrag hingewiesen zu werden. Denn so wird die Gruppe der Schwierigen, der Systemsprenger, unnötig groß. Nur so müssen Menschen aus ihrer Heimatregion heraus gerissen und in weit entfernte, oft geschlossene Heime verschickt werden. Hier erwarte ich als rechtliche Betreuerin vom Träger der Eingliederungshilfe, dass man sich offensiv um diese Klientengruppe kümmert, dass man uns Betreuer unterstützt, indem man trägerübergreifende Fallgespräche initiiert und gemeinsam an einer Lösung arbeitet. Ich erwarte eine ernstzunehmende Selbstverpflichtung, sich um die Schwierigsten zu kümmern. Die Motivation sollte nicht sein, sich schwierige Klienten vom Hals zu halten, sondern die unbestrittene Schwere der Last auf möglichst viele Schultern zu verteilen.</p>
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		<title>Frau Eff… und die Einwilligung im Krankenhaus</title>
		<link>https://btdirekt.de/archiv/kolumne/frau-eff-und-die-einwilligung-im-krankenhaus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Frau Eff]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Aug 2014 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frau Eff, Berufsbetreuerin… und die Einwilligung im Krankenhaus Alle rechtlichen Betreuer kennen diese Situation: Für den nur leicht seelisch oder geistig behinderten Klienten wurde auch der Aufgabenkreis Gesundheitssorge angeordnet. Grund dafür war, dass der Betreuer berechtigt werden sollte, Auskünfte über die gesundheitliche Situation des Betroffenen zu erhalten, wenn dies zum Beispiel für Anträge bei der [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://btdirekt.de/archiv/kolumne/frau-eff-und-die-einwilligung-im-krankenhaus/">Frau Eff… und die Einwilligung im Krankenhaus</a> erschien zuerst auf <a href="https://btdirekt.de">BtDirekt | Themen für Berufsbetreuer</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frau Eff, Berufsbetreuerin… und die Einwilligung im Krankenhaus</strong></p>
<p>Alle rechtlichen Betreuer kennen diese Situation: Für den nur leicht seelisch oder geistig behinderten Klienten wurde auch der Aufgabenkreis Gesundheitssorge angeordnet. Grund dafür war, dass der Betreuer berechtigt werden sollte, Auskünfte über die gesundheitliche Situation des Betroffenen zu erhalten, wenn dies zum Beispiel für Anträge bei der Krankenkasse oder der Rentenversicherung notwendig sein sollte. Nicht beabsichtigt war, dass der Betreute damit hinsichtlich jeder ärztlichen Maßnahme oder Behandlung entmündigt wird. Tatsächlich ist aber genau dies die traurige Konsequenz.</p>
<p>Es sollte eigentlich jedem Arzt klar sein, dass ein einwilligungsfähiger Patient selbstständig und alleine einer Behandlung zustimmen kann, wenn er die Bedeutung und die Tragweite der medizinischen Maßnahme im Wesentlichen begreift. In einer solchen Situation einem Patienten mit unklaren Bauchschmerzen ein CT zu verweigern, einer Patientin mit einem gebrochenen Arm die notwendige Operation, einer Patientin mit Hexenschuss die Untersuchung oder einem Patienten mit Zahnschmerzen die Behandlung, nenne ich unterlassene Hilfeleistung.</p>
<p><span id="more-1138"></span></p>
<p>Die Ärzteschaft nennt das aber Absicherung und hetzt den Betreuern das Pflegepersonal oder die Arzthelferin auf den Hals. Wie oft habe ich verzweifelte Untergebene am Telefon, mit denen sich Gespräche wie diese entwickeln:</p>
<p>Krankenhausschwester Jule: „Aber der Oberarzt hat gesagt, dass ich die Unterschrift für die Magenspiegelung von Ihnen besorgen muss. Da ist ja eine Betreuung.“<br />
Frau Eff: „Ist der Patient denn einwilligungsfähig?“<br />
„Ja, was heißt jetzt einwilligungsfähig…?“<br />
„Na, ist er orientiert, weiß er, warum er bei Ihnen ist und was mit ihm gemacht werden soll.“<br />
„Ja, klar weiß der das. Wir haben ja auch schon alles mit ihm besprochen. Er hat ja auch unterschrieben.“<br />
„Warum soll ich denn dann 25 Kilometer zu Ihnen fahren und auch noch mal unterschreiben?“<br />
„Weil da eine Betreuung ist! Der Arzt hat gesagt, vorher machen wir nichts.“<br />
„Das ist doch Unfug.“<br />
(verzweifelt und weinerlich) „Ich kann doch auch nichts dafür, der Chef will das so. Wir machen das immer so, dass der Betreuer unterschreiben muss.“<br />
„Sagen Sie doch bitte Ihrem Chef, er soll mich selbst anrufen, damit ich das mit ihm klären kann.“<br />
„Aber da kriege ich wieder nur Ärger. Sie sind die Betreuerin, das ist doch nur eine Unterschrift!“</p>
<p>Zwei, drei Stunden später habe ich dann Dr. Chefarzt am Telefon. Ich erläutere ihm kurz die Rechtslage. Er glaubt mir nicht und hält mir einen Vortrag über seine Arbeitsbedingungen, das marode Gesundheitssystem, den betreuten Patienten, der mit seiner Raucherei auf dem Zimmer sowieso eine Zumutung sei, und meine angebliche Verantwortung, wenn sich durch meine Verweigerung der Zustand des Patienten verschlechtern würde. Zudem droht er mit der Rechtsabteilung des Krankenhauses. Da seine Bedenken grundsätzlicher Natur sind, rate ich ihm, die Sache mit der zuständigen Richterin zu besprechen. Als ich ihm die Telefonnummer geben will, schreit er „Sie kommen jetzt auf der Stelle hier her!“ und legt auf.</p>
<p>In der Regel kann man dann ruhig bis 50 zählen, bevor das Telefon erneut klingelt und Schwester Jule wieder am Telefon ist. Sie bietet unterwürfig an, den Einwilligungsbogen zu faxen, das wäre doch eine super Idee vom Arzt, dann bräuchte ich nicht persönlich zu kommen. Sie fleht mich an, ihr meine Faxnummer zu nennen. Sie will den Ärger endlich vom Hals haben.</p>
<p>Und nun? Klein beigeben oder mit Blick auf die UN-Behindertenkonvention das Selbstbestimmungsrecht des Betreuten durchsetzen? Die Sache in zwei Minuten aus der Welt schaffen oder sich weiter drei Stunden aufregen, um dann bei nächsten Mal wieder die genau gleiche Diskussion führen zu müssen?</p>
<p>Am letzten Sonntag habe ich mir die Mühe gemacht und bin persönlich ins Krankenhaus gefahren. Immerhin ging es um einen Darmtumor, also keine Kleinigkeit. Operateur und Anästhesist sind gekommen und haben mir ihre handschriftlich ergänzten Formulare vorgelegt. Im Nacken hatten sie den nächsten verunglückten Motorradfahrer, der gerade mit dem Hubschrauber gebracht wurde. Die Leute sind nicht zu beneiden, auch das sollte man sehen. Trotzdem muss so viel Zeit sein, dass der betroffene Patient wenigsten an dem Gespräch teilnehmen kann. Sehr genervt stimmen beide Ärzte dem zu. Im Schweinsgalopp erklären sie mir (und nur mir) den Eingriff im Medizinerdeutsch. Der Betreute sitzt mit offenem, zahnlosen Mund daneben. „Haben Sie verstanden, was der Arzt gesagt hat?“ frage ich ihn. „Jau. Der Knubbel im Darm is Kräps, dat muss raus. Da schneiden die dat Stück raus und nähen dat widder zusamme. Wenn dat nicht richtisch zusammen wächst, krisch ich außen so’n Beutel. Un weil man nie weiß, wie dat alles so kommt, muss ich unterschreiben. Sonst is der Herr Doktor nachher der Dumme.“ Ich würde sagen: Ein einwilligungsfähiger Patient.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://btdirekt.de/archiv/kolumne/frau-eff-und-die-einwilligung-im-krankenhaus/">Frau Eff… und die Einwilligung im Krankenhaus</a> erschien zuerst auf <a href="https://btdirekt.de">BtDirekt | Themen für Berufsbetreuer</a>.</p>
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